London: Bei Anschlag ermordeter Polizist zu Grabe getragen

10. April 2017, 16:26
2 Postings

Trauerzug von Westminster zur Kathedrale von Southwark. Ermittlungen zu Motivation und möglichen Hintermännern des Attentäters gehen weiter

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung hat die britische Polizei am Montag nachmittag von ihrem ermordeten Kollegen Keith Palmer Abschied genommen. Der 48-Jährige war vor knapp drei Wochen am Parlament von Westminster fünftes und letztes Mordopfer des islamistischen Terroristen Khalid Masood, ehe dieser von einem anderen Polizisten erschossen wurde. Tausende von Beamten aus dem ganzen Land säumten den Trauerzug von Westminster zur Kathedrale von Southwark. "Wir sind sehr stolz auf Keiths Tapferkeit und Mut, gleichzeitig fühlen wir mit seiner Familie den schweren Verlust", sagte Sara Thornton vom Verband britischer Polizeiführer.

Am Sonntag waren Palmers sterbliche Überreste in die Marienkapelle gebracht worden, die zum Palast von Westminster gehört. Dazu war eine Sondergenehmigung von Königin Elizabeth II nötig. In der Kapelle bildeten Kollegen des Ermordeten über Nacht ein Ehrenspalier am Sarg. Am Montag wurde der Sarg auf den Schultern der Kollegen aus dem Gotteshaus getragen. Ein Blumenschmuck mit der Aufschrift "Papa Nummer Eins" erinnerte daran, dass Palmer Vater einer fünfjährigen Tochter gewesen war. Der Gottesdienst in der Kathedrale war ein offizielles Polizeibegräbnis, zu den Trauernden zählte an ihrem ersten Arbeitstag auch die neue Polizeipräsidentin der Stadt, Cressida Dick. Doch mussten auf Wunsch der Familie die TV-Kameras draußen bleiben.

2.000 Polizisten im Einsatz

Das Gotteshaus am Südufer der Themse war weiträumig abgeriegelt, der nahegelegene Borough Market wurde geschlossen. Mehr als 2.000 Beamte von Scotland Yard sorgten für die Sicherheit entlang der Trauerroute. Wie schon vor der Attacke am 22. März stuft die Regierung die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anschlages als "hoch" ein, die zweithöchste Stufe im Alarmsystem.

Frau starb nach Sturz in die Themse

Bei seiner Amokfahrt mit einem geliehenen Geländewagen hatte Masood, 52, binnen einer Minute auf der Westminster Bridge drei Menschen getötet und an die 40 teils lebensgefährlich verletzt, ehe er den unbewaffneten Palmer niederstach. Zu den Verletzten zählte auch die rumänische Architektin Andreea Cristea, die durch die Wucht des Aufpralls in die Themse geschleudert wurde. Zwar konnte die 31-Jährige wenig später geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden; vergangene Woche aber gaben die Ärzte den Kampf um ihr Leben auf.

Kontakt zu Islamisten nach Gefängnisstrafe

Auf Hochtouren laufen weiterhin die Ermittlungen der Kriminalpolizei nach der Motivation und möglichen Hintermännern des fünffachen Mörders. Zwar glaubt Neil Basu, der Antiterror-Koordinator bei Scotland Yard, man werde "möglicherweise nie verstehen, warum er das getan hat". Deutlich ist aber: Der am ersten Weihnachtsfeiertag 1964 als Adrian Elms geborene Mann war offenbar nach einer Gefängnisstrafe zu Anfang des Jahrhunderts in den Dunstkreis radikaler Islamisten geraten. Er trat zum Islam über und nahm den Namen Khalid Masood an, lebte in diversen Islamisten-Hochburgen, zuletzt in einem armseligen Stadtteil der mittelenglischen Metropole Birmingham.

Ins Visier der Terrorbekämpfer beim Geheimdienst MI5 geriet der mehrfach vorbestrafte Vater von mindestens zwei Kindern 2010 nach einem längeren Aufenthalt in Saudi-Arabien. Allerdings sei er in dem längst abgeschlossenen Verfahren nie mehr als "von peripherem Interesse" gewesen, teilte Premierministerin Theresa May dem Unterhaus mit. In der Industriestadt Luton, rund 50 Kilometer nördlich von London, arbeitete er als Englisch-Lehrer für Elas UK, eine Schule mit Verbindungen zum Islamzentrum der Stadt. In einer notorischen Islamisten-Moschee fanden Reporter der Sunday Times Flugblätter, in denen Masood als Kontaktmann für eine radikale Website genannt war. (Sebastian Borger aus London, 10.4.2017)

  • Polizisten beim Begräbnis ihres beim Anschlag in London ermordeten Kollegen Keith Palmer.
    foto: reuters/frank augstein/pool

    Polizisten beim Begräbnis ihres beim Anschlag in London ermordeten Kollegen Keith Palmer.

  • Keith Palmer ist vom Attentäter Khalid Masood niedergestochen worden.
    foto: reuters/frank augstein/pool

    Keith Palmer ist vom Attentäter Khalid Masood niedergestochen worden.

Share if you care.