Experiment: Hunde können sich in Menschen hineinversetzen

    10. April 2017, 16:15
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    Untersuchungen zeigen, dass die Vierbeiner erkennen können, was eine Person weiß und was nicht – zumindest, wenn es um verstecktes Futter geht

    Wien – In den ersten vier bis fünf Lebensjahren lernen Menschen, sich in andere hineinzuversetzen ("Theory of Mind"). Ob und in welchem Maß auch Tiere diese Fähigkeit der mentalen Zuschreibung besitzen, ist umstritten. Hinweise darauf gibt es bislang bei Menschenaffen und Rabenvögeln. Hunde wurden auch schon mehrmals getestet, doch die Ergebnisse waren widersprüchlich.

    Kognitionsbiologen der Vetmeduni Vienna wollen nun einen stichhaltigen experimentellen Nachweis erbracht haben, dass Hunde durchaus die Perspektive von Menschen übernehmen können. Ihre Studie veröffentlichten sie im Fachblatt "Animal Cognition".

    Wer weiß, wo das Futter ist?

    In ihrem Experiment untersuchten die Forscher um Ludwig Huber, ob Hunde auf Befindlichkeiten und das Wissen von anderen schließen können. Konkret sollten die Tiere unterscheiden, ob ein anwesende Personen wusste, in welchem von mehreren Behältnissen Futter versteckt worden war, oder ob sie nur so taten. In durchschnittlich 70 Prozent der Fälle trafen die Hunde demnach die richtige Entscheidung.

    Bei einem ersten Test beobachteten die Vierbeiner eine "wissende" und eine "unwissende" Person. Der wissende Teilnehmer hatte zuvor in einer von zwei Dosen Futter versteckt – in welcher, war für den unwissende Teilnehmer und die Hunde nicht ersichtlich. Anschließend zeigten beide Personen dem Hund das Versteck an: Der Wissende zeigte dabei immer auf das richtige Versteck, der Unwissende auf eine andere Dose, wobei immer alle Behälter nach Futter rochen. Tatsächlich wählten die Hunde in 70 Prozent der Fälle die Schüssel, in der sich das Futter befand.

    Zusätzliche Hürde gemeistert

    Selbst bei einem schwierigeren Folgetest schnitten die Vierbeiner genauso gut ab. Dabei bereitete eine dritte Person in der Mitte das Futter vor, ohne später selbst einen Hinweis zu geben. Zwei potenzielle Informanten waren links und rechts von dieser Person positioniert und blickten in unterschiedliche Richtungen: Eine der beiden Personen hatte den Futterbereiter im Blick, die andere Person sah von ihm weg.

    "Die getesteten Hunde mussten also durch Einnahme der Perspektive der Informanten und dem Folgen ihrer Blicke beurteilen, wer der wissende Informant ist, um an das Futter zu kommen", erklärt Huber. "Indem sie die Position eines Menschen einnehmen und von dort aus seiner Blickrichtung folgen, finden sie heraus, was der Mensch sieht und wem man trauen kann oder nicht." Diese Fähigkeit, das Wissen eines anderen abzuschätzen, sei ein wichtiger Baustein der Theory of Mind.

    Nützliche Fähigkeit

    Während man bei Schimpansen und einigen Vogelarten in ähnlichen Versuchen bereits zeigen konnte, dass sie das Wissen und die Absichten von Artgenossen erkennen und ihr Verhalten daran anpassen können, sei dies nun auch für Hunde belegt. Hunde würden sehr gut das Verhalten von Menschen, etwa den Grad an Aufmerksamkeit, verstehen und könnten aus direkt sichtbaren Hinweisen wie Gesten und Blicken lernen. Damit könnten Hunde auch dann Futter finden, wenn ihnen der Blick darauf versperrt ist.

    "Die offenbar über eine Kombination aus Domestikation und individueller Erfahrung entwickelte Fähigkeit, unser Verhalten zu interpretieren und unsere Absichten zu antizipieren, scheint bei Hunden auch das Vermögen der Perspektivenübernahme gefördert zu haben", sagte Huber. Noch sei unklar, welche Mechanismen dazu beitragen. "Diese Fähigkeit hilft den Vierbeinern allerdings, sich in unserer Welt ausgezeichnet zurecht zu finden." (red, APA, 10.4.2017)

    • Hunde können unsere Perspektive einnehmen, berichten Forscher der Vetmeduni Vienna.
      foto: ap/mary altaffer

      Hunde können unsere Perspektive einnehmen, berichten Forscher der Vetmeduni Vienna.

    • Wo ist das Leckerli?
      foto: ludwig huber/vetmeduni vienna

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