Für 900 Dollar pro Monat: Professionelle Tinder-Ghostwriter

10. April 2017, 11:17
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New Yorker, die viel Stress haben, setzen auf die Dienste einer Dating-App-Spezialistin

Outsourcing gehört bei beschäftigten New Yorkern zum guten Ton: Sie bestellen Essen, geben ihre Wäsche ab und engagieren eine Putzfrau. Kein Wunder also, dass auch eine neue zeitfressende Tätigkeit ausgelagert werden kann: Das Flirten auf Dating-Apps. Zusehends greifen Singles auf der Upper East Side auf die Dienste von Tinder-Ghostwritern wie Meredith Golden zurück, die jetzt vom NYMag porträtiert worden ist.

Ein Dutzend Klienten

Die ehemalige Psychotherapeutin, die selbst seit 16 Jahren verheiratet ist, verdient gut mit ihrem Fremdflirten: Im ersten Monat verlangt sie 900 Dollar, im zweiten 700 Dollar und in allen folgenden 500 Dollar für ihre Dienste. Bei rund über einem Dutzend Klienten ergibt das ein fünfstelliges Einkommen. Der Bedarf wäre durchaus größer, doch Golden will nicht durcheinander kommen und sich bestmöglich auf ihre Schützlinge konzentrieren.

Tipps und Tricks

Ihre Tipps: Männer sollen Porträts von einem professionellen Fotografen machen lassen ("keine Badezimmer-Selfies!"), direkt sagen, was sie wollen und Bezug auf Profil und Bilder ihres Gegenübers nehmen. Sieht man auf diesen etwa Haustiere, soll man nach deren Wohlbefinden fragen. Golden ist auf den Dating-Apps nur wochentags aktiv, spätabends checkt sie noch einmal die Nachrichten. Vom exzessiven Tindern am Wochenende rät sie ab, da dies "verzweifelt" wirke. Außerdem solle man ganze Sätze schreiben und auf Emojis verzichten.

Kupplerin

Moralische Bedenken hat Golden nicht. Sie vergleicht sich mit klassischen Kupplern. Probleme hatten ihre Dates bisher nicht. Sie selbst muss lediglich aufpassen, bei echten Begegnungen keinen Smalltalk mit den Personen zu führen, mit denen sie inkognito geflirtet hat. "Es gab da einen Typen, den ich auf allen Dating-Apps gesehen habe. Ich traf ihn auf der Straße – es war, als ob ich eine Berühmtheit sehe. Ich musste mich zwingen, ihn nicht zu fragen, wie es ihm geht", erzählte Golden dem NYMag. (red, 10.4.2017)

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NYMag

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    foto: reuters/blake
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