Neuer Therapieansatz: Reservoir-Zellen von HIV attackieren

    10. April 2017, 11:05
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    Ein internationales Forscherteam hat einen Biomarker für jene HIV-Zellen identifiziert, die als "Schläfer" lebenslang im Körper von Infizierten bleiben

    Französische Forscher des Centre National de la recherche scientifique (CNRS) und der Universität Montpellier haben einen Biomarker identifiziert, der die Differenzierung zwischen Schläfer-Zellen mit HIV und gesunden Zellen ermöglicht. Mit dieser Entdeckung können die sogenannten "Reservoir-Zellen" isoliert und analysiert werden. Reservoir-Zellen sind infizierte, aber ruhende Immunzellen, die ein Virus-Reservoir bilden und somit eine vollständige Heilung verhindern, da die derzeit verfügbaren Medikamente diese nicht erreichen.

    Da ruhende Immunzellen Abwehrmechanismen gegen HIV besitzen, gelingt die Infektion zwar nur bei sehr wenigen Zellen, diese reichen aber aus, dass sich die Viren von dort aus immer wieder im Körper ausbreiten können. Deshalb sind sie verantwortlich für die so genannte Viruspersistenz. Die Viruslast des Patienten bleibt unter der Nachweisgrenze. Dieses Ergebnis ebnet den Weg für neue therapeutische Ansätze.

    Unheilbarkeit erklärt

    Seit 1996 glaubt die wissenschaftliche Gemeinschaft, dass die Heilung von HIV nur durch eine gezielte Behandlung der Reservoir-Zellen möglich ist. Das ruhende HIV kann sich über Jahrzehnte in diesen Zellen verstecken und so der Behandlung entgehen. Unterbricht ein Patient seine Behandlung, vermehrt sich das Virus und die Krankheit schreitet weiter fort. Deshalb ist es wichtig, diese Reservoir-Zellen identifizieren zu können, um so diese schlafenden Viren zu entfernen.

    Zunächst haben die Forscher an einem in vitro-Infektionsmodell gearbeitet. Durch einen Vergleich zwischen infizierten und gesunden Zellen haben sie festgestellt, dass ein einziges Protein – das Protein CD32a – nur an der Oberfläche der infizierten Zellen vorkommt. Zur Prüfung ihrer Hypothese, dass dieses Protein ein Marker für die Reservoir-Zellen ist, wurde zwölf HIV-Patienten, die sich in Behandlung befinden, Blut entnommen, um die Zellen mit diesem Marker zu isolieren und zu analysieren.

    Beginn neuer Behandlungsstrategie

    Ergebnis: Fast alle Zellen waren Träger des Virus. Die erneute Aktivierung dieser Zellen in vitro hat zu einer Erzeugung von Viren geführt, welche die gesunden Zellen abermals infizieren konnten. Das Entfernen dieser Zellen hingegen hat die Virenproduktion deutlich hinausgezögert. Diese Entdeckung ermöglicht ein besseres Verständnis der Reservoir-Zellen und könnte langfristig zu Behandlungsstrategien führen, um die ruhenden Viren aus dem Organismus zu entfernen.

    Reservoir-Zellen sind infizierte, aber ruhende Immunzellen, die ein Virus-Reservoir bilden und somit eine vollständige Heilung verhindern, da die derzeit verfügbaren Medikamente diese nicht erreichen. Da ruhende Immunzellen Abwehrmechanismen gegen HIV besitzen, gelingt die Infektion zwar nur bei sehr wenigen Zellen, diese reichen aber aus, dass sich die Viren von dort aus immer wieder im Körper ausbreiten können. (idw/red, 10.4.2017)

    Originalpublikation:

    CD32a is a marker of a CD4 T-cell HIV reservoir harbouring replication-competent proviruses

    • Aids Walk & Music Festival in Florida am 19. März in Fort Lauderdale: Die Einnahmen von 1,4 Millionen Dollar kommen der Versorgung von HIV-Infizierten zugute.
      foto: ap

      Aids Walk & Music Festival in Florida am 19. März in Fort Lauderdale: Die Einnahmen von 1,4 Millionen Dollar kommen der Versorgung von HIV-Infizierten zugute.

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