Viele Gründe für Vorarlberger Bodenknappheit

10. April 2017, 10:43
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Der Vorarlberger Immobilienmarkt brummt. Die Nachfrage ist riesig, das Angebot knapp, die Preise sind hoch

Bregenz – Vorarlberg ist das teuerste Pflaster bundesweit. Grund und Boden sind schon wegen der Topografie des Gebirgslands knappe Güter, die Attraktivität der prosperierenden Wirtschaftsregion und landschaftliche Reize verstärken die Nachfrage.

"Stark wie selten erlebt" umschreibt Günther Ammann, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, diese Nachfrage. Bevölkerungswachstum und größere Mobilität nennt er als Hauptgründe für den Run auf Vorarlberger Immobilien. Nicht nur betuchte Pensionisten drängen in die Region, es sind auch Studierende, die Immobilien kaufen, und Pendler aus dem EU-Raum, die in den Nachbarländern Liechtenstein und Schweiz arbeiten und in Vorarlberg wohnen.

"Regional, nicht kommunal planen"

Täglich werden in Vorarlberg durchschnittlich 1500 Quadratmeter Grünland in Bauland oder Bauerwartungsland umgewidmet. Industrie und Bauträger beklagen dennoch einen Mangel an verfügbaren Flächen. Ammann sieht die Lösung in neuer Raumplanungspolitik. Künftig müsse regional, nicht kommunal geplant werden.

Aus der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer kommt massiver Druck auf die Landesregierung, die Landesgrünzone als Erweiterungsgebiet für Betriebe zu deklarieren. Bauträger wiederum beklagen, dass der Grundstücksmarkt durch Hortung – auch durch Industrielle, die Grundstücke auf Vorrat kaufen – verknappt wird.

Das Gerücht, der Markt würde künstlich verknappt, hält sich hartnäckig. Ein immer wieder genannter Name ist in diesem Zusammenhang jener des Wolfurter Normalienproduzenten Meusburger. "Dieses Gerücht nervt uns", sagt Martin Fussenegger, Geschäftsführer der M-Immobilien. Das Immobilienunternehmen sei zwar im Besitz der Familie Meusburger, habe aber mit dem erfolgreichen Industriebetrieb nichts zu tun, und schon gar nicht sei es für die Verknappung am Wohnungsmarkt verantwortlich. "Da macht man uns leichtfertig zum Sündenbock", sieht Fussenegger die Immobilienfirma in einer unerwünschten Rolle.

Nachnutzen und verdichten

M-Immobilien kauft vor allem Gewerbe- und Industriebrachen und umliegende Grundstücke. Der Schwerpunkt liegt auf großflächigen Arealen. "Wir wollen nicht dem kleinen Gewerbetreibenden, der 1500 Quadratmeter sucht, etwas wegschnappen", sagt Fussenegger. Die Areale werden je nach Brauchbarkeit im Originalzustand vermietet oder neu bebaut. Sanierungen bewähren sich in diesem Bereich weniger, sagt Fussenegger. Alte Industriehallen entsprächen oft nicht mehr heutigen Bedürfnissen, beispielsweise in der Raumhöhe.

Verdichtungen bestehender Betriebsanlagen und Grundstücksarrondierungen sind weitere Ziele der Projektentwickler. Wo verschwenderisch mit Flächen umgegangen wurde, soll die Fläche bestmöglich genutzt werden.

Ein Beispiel für Verdichtung im Stadtraum ist das Bürogebäude M11 in Dornbirn. Wo früher ein Einfamilienhaus stand, wurde durch Arrondierung Platz für einen viergeschoßigen Bürobau in Passivhausqualität geschaffen. Ein Überangebot an Büroflächen sieht Fussenegger in Vorarlberg nicht: "Es entscheidet die Lage, zudem ist die Nachfrage nach hochwertigen und großflächigen Räumen durchaus gegeben." (jub, 10.4.2017)

  • Verdichtung ist neben der Nachnutzung von Industriebrachen Schwerpunkt des Dornbirner Projektentwicklers M-Immobilien. Das Bürogebäude M11 entstand anstelle eines Einfamilienhauses.
    foto: m-immobilien

    Verdichtung ist neben der Nachnutzung von Industriebrachen Schwerpunkt des Dornbirner Projektentwicklers M-Immobilien. Das Bürogebäude M11 entstand anstelle eines Einfamilienhauses.

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