Trainerwechsel bei Rapid: Rechnung für Größenwahn

    Kommentar9. April 2017, 19:09
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    Vielleicht sollte SK-Rapid-Präsident Michael Krammer sportliche Entscheidungen künftig jenen überlassen, die es zumindest wissen könnten

    Das große Missverständnis ist beendet, der Spielvereinigung Ried gebührt quasi Dank. Hätte sie Rapid nicht 3:0 geschlagen und in den Abstiegskampf geschickt, dann wäre wohl weitergewurstelt worden. Mit einem Trainer Damir Canadi, der die Mannschaft nicht mehr erreichen konnte, weil er sie nie erreicht hat. Schreibt ein Coach auf seinem Twitter-Account "Ich mag viele, aber eben nicht alle", "Ich verzeihe viel, aber nicht alles", "Wen ich mag, der weiß es, wen ich nicht mag, der spürt es", dann hat er ein Problem. Der Eintrag wurde übrigens vor ein paar Tagen gelöscht.

    Rapids Dilemma nur an dem nun beurlaubten Canadi auszumachen wäre aber fatal. Der Mann, dessen fachliche Qualitäten unbestritten sind (halt bei anderen Vereinen), tickt so. Verpflichtet wurde er von Präsident Michael Krammer höchstpersönlich, einem erfolgreichen Unternehmer. Das neue Stadion und die finanzielle Gesundung sind auch sein Verdienst, das Budget beträgt 30 Millionen Euro. Aber der Fußball ist eben emotionaler und unberechenbarer als eine Mobilfunkfirma. Vielleicht sollte Krammer sportliche Entscheidungen künftig jenen überlassen, die es zumindest wissen könnten. Steigt Rapid ab, was aufgrund der Qualität des Kaders eher auszuschließen ist, wäre das zwar irgendwie lustig, aber für den gesamten österreichischen Fußball ein emotionales und wirtschaftliches Fiasko. Das sieht man auch daran, dass sich die Austria momentan in aller Ruhe grandios blamieren darf. Und keiner schaut hin.

    Rapid hat innert zehn Monaten drei Trainer verschlissen. Canadi mag auch an Selbstüberschätzung gescheitert sein. Diesbezüglich hätte er eigentlich zu Rapid passen müssen. Denn dort ist der Größenwahn eingekehrt, der Klub ist eine Werbeblase geworden. Sollte die Klasse erhalten werden, könnte man das übrigens als Heldentat verkaufen. Demut wäre angebracht. Und das liegt nicht an Canadi. (Christian Hackl, 9.4.2017)

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