"Ich bleibe": Glawischnig als Häupl der Grünen

Kolumne9. April 2017, 19:03
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Von der Chefin der Grünen sind keine politischen Innovationen zu erwarten

Eines eint sie mit Michael Häupl – Eva Glawischnig hält trotzig daran fest, bis nach den Nationalratswahlen an der Spitze ihrer Partei zu bleiben. Damit komplettiert sie den Eindruck der letzten Wochen, dass die Grünen eine unreformierbare Altpartei geworden sind.

Von ihr gehen seit geraumer Zeit keine politischen Innovationen mehr aus. Und wäre da nicht der 63-jährige Linke Peter Pilz mit seinen Aufdeckergeschichten (siehe Eurofighter), würden die Grünen überhaupt jede Art von Punch-Qualität vermissen lassen.

Die politische Stärke der 49-jährigen Glawischnig hat seit längerer Zeit abgenommen. Nicht gelitten hat die Eleganz ihrer öffentlichen Auftritte. Sie übt das schon lange, weil sie früh die Neigung pflegte, für Modereportagen in Magazinen abgelichtet zu werden. Deren Leserinnen und Leser sind mehrheitlich nicht das grüne Zielpublikum. Glawischnig hat offenbar auch deshalb Kommunikationsprobleme mit der rebellischen Parteijugend.

Dazu kommt das mediale Image des Paares. Die "Dancing Star"-Atmosphäre, in die ihr Mann Volker Piesczek mit der laufenden Staffel eingetaucht ist, beeinflußt ihre Präsenz mehr als die als die harte politische Straßenarbeit ihrer Jugend.. Glawischnig passte derzeit besser zu den Neos. Oder zu einer neuen Partei rund um Irmgard Griss.

Das mindert die Übersichtlichkeit und lässt Raum für Machtkämpfe. Der burgenländische Europaabgeordnete Michel Reimon (45) spielt sich immer stärker in den Vordergrund. Er macht gleichzeitig massiv Druck gegen die aufmüpfigen Jungen Grünen.

Im Unterschied zur SPÖ hat die grüne Jugendorganisation keinen Sitz im Parteivorstand. Das erhöht die Widerborstigkeit der Leute rund um Jugendsprecherin Flora Petrik, eine Tochter der burgenländischen Landeschefin. Ihr wird nachgesagt, im nächsten Nationalrat als Pendant zum fashionablen Abgeordneten Julian Schmid agieren zu wollen.

Diese Auseinandersetzungen sind Grund genug für Glawischnig, an der Spitze auszuharren. In Wirklichkeit ist sie jetzt bereits eine "lame duck", weil 1. sie keinen furiosen Wahlkampf wird hinlegen können; 2. sie die mobile Internet-Jugend nicht mehr erreichen kann, und 3. in den Städten die intellektuelle Basis schwindet.

Neben der Exekution von Glawischnigs Durchhalteparole bleiben der Partei zwei Möglichkeiten.

Die eine: Die Bundessprecherin tritt rasch und ohne Benennung einer Nachfolge zurück. Das wäre ein Megarisiko, hätte aber den Vorteil, dass die Personaldiskussion über viele Wochen die Medien des Landes beherrscht.

Die andere: In einer Kraftanstrengung verbindet Glawischnig ihren Rücktritt mit dem Durchsetzen eines Nachfolgewunsches. Aber weiß sie überhaupt, wen sie sich vorstellt?

Reimon arbeitet angeblich daran, Spitzenmann zu werden. Lothar Lockl, der Berater von Alexander Van der Bellen, wurde medial forciert. Pilz gilt als zu radikal. Wien-Chefin Maria Vassilakou ist zu ortsgebunden.

Was freilich auch für die Tiroler Vizelandeshauptfrau Felipe gilt, die mit vollem Namen Ingrid Felipe Saint Hilaire heißt und fast zehn Jahre jünger als Glawischnig und Vassilakou ist. Sie wäre Aufbruch und Neubeginn. (Gerfried Sperl, 9.4.2017)

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