Kroatien will Agrokor vor Pleite retten

9. April 2017, 18:49
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Parlament genehmigt umstrittenes Gesetz, das Staat tragende Rolle bei Restrukturierung des Privatunternehmens ermöglicht

Das kroatische Parlament hat ein Gesetz angenommen, mit dem der Staat den in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Lebensmittelkonzern Agrokor unter die Arme greifen kann. Einige Rechtsexperten bezweifeln die Verfassungskonformität der Lex Agrokor, das "außergewöhnliches Management in Unternehmen mit System-Relevanz" vorsieht.

Der Konzern ist hoch verschuldet und kann die Kredite, die er bei den russischen Banken Sberbank und VTB aufgenommen hat, nicht mehr bedienen. Der kroatische Staat kann mit dem Gesetz nun eine tragende Rolle bei der Restrukturierung des Konzerns mit seinen 60 Subunternehmen übernehmen. Ein neues Management soll vom Wirtschaftsministerium ernannt werden.

40.000 Beschäftigte in Kroatien

Agrokor-Gründer Ivica Todorić, einer der reichsten Männer des Landes, hat sich nach diesem Schritt aus dem Unternehmen zurückgezogen. "Alles was ich geschaffen habe, habe ich heute dem kroatischen Staat gegeben", teilte er mit.

Agrokor beschäftigt 40.000 Menschen in Kroatien und 20.000 Personen in Bosnien-Herzegowina und in Serbien. Der Konzern betreibt unter anderem die Handelskette Konzum. Der 2014 erfolgte Kauf der slowenischen Supermarktkette Mercator hatte zu einem drastischen Anstieg der Schulden geführt. Agrokor gilt für Kroatien als systemrelevant. Die Einnahmen des Konzerns betrugen im Jahr 2015 umgerechnet 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des kleinen mitteleuropäischen Staates.

Sechs Milliarden Euro Gesamtschulden

Der Gesamtschulden belaufen sich Schätzungen zufolge auf sechs Milliarden Euro – dies dürfte sechs Mal oder sieben Mal so viel sein als das Kapitalvermögen des Unternehmens, das auf eine Milliarde Euro geschätzt wird. Unter den Kreditgebern ist auch die Erste Bank.

Den russischen Banken schuldet Agrokor 1,3 Milliarden Euro. Im Februar hatte die halbstaatliche Sberbank die Kredite fällig gestellt. Dies wurde in Kroatien als politische Aktion betrachtet und damit in Zusammenhang gebracht, dass der neue Premier Andrej Plenković im Ukraine-Konflikt deutlich Stellung gegen Russland bezogen hatte.

Die Kreditgeber haben mittlerweile den Manager Antonio Alvarez III von der Consultingagentur Alvarez & Marsal als Hauptverantwortlichen für die Umbildung des Unternehmens ernannt. Zuvor haben die Banken ein Stillhalteabkommen unterschrieben, um das Weiterlaufen der Geschäfte trotz der fehlenden Liquidität zu ermöglichen.

Auch die serbische Regierung hat sich nun direkt in die Suche nach Lösungen für den Agrokor-Konzern eingeschaltet. Konkret geht es um die Tochterfirmen in Serbien. Wie Premier Aleksandar Vucic nach einem Treffen mit Lieferanten der Handelskette Mercator S erklärte, werde man in Zusammenarbeit mit der Notenbank verhindern, dass Gelder aus den serbischen Firmen ins Ausland abfließen. (Adelheid Wölfl aus Zagreb, 9.4.2017)

  • Der kroatische Konzern Agrokor,  der unter anderem die Supermarktkette Konzum betreibt, ist hochverschuldet und hat den Staat um Hilfe gebeten.
    foto: afp

    Der kroatische Konzern Agrokor, der unter anderem die Supermarktkette Konzum betreibt, ist hochverschuldet und hat den Staat um Hilfe gebeten.

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