Mindestens 25 Tote nach Bombenanschlag auf Kirche in Ägypten

9. April 2017, 13:09
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70 Menschen wurden verletzt – Regierung spricht von "Terror"

Kairo/Tanta – Bei einem der tödlichsten Anschläge auf die christliche Minderheit Ägyptens in den vergangenen Jahren sind mindestens 25 Menschen getötet worden. Rund 70 Menschen wurden am Palmsonntag durch die Explosion in der koptischen Kirche St. Georg in der Stadt Tanta verletzt. Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram zitierte Augenzeugen, wonach sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt habe.

Zunächst bekannte sich jedoch niemand zu dem Anschlag. Die koptischen Christen in Ägypten sind aber seit längerem im Visier islamistischer Gruppen. Die ägyptische Regierung sprach von Terror: "Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter. Im Internet kursierende und im Fernsehen ausgestrahlte Videos zeigten einen blutverschmierten Boden.

An dem christlichen Feiertag war die Kirche in der nordägyptischen Stadt zur Messe gut besucht. St. Georg ist dem Staatsfernsehen zufolge das größte christliche Gotteshaus der Region im Nildelta. Sicherheitskräfte hätten den Tatort weitgehend abgesperrt. Tanta hat rund 500.000 Einwohner und liegt etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kairo.

Zehn Prozent Christen

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelt Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Bei einem schweren Selbstmordanschlag auf eine Kirche im Dezember waren fast 30 Menschen getötet worden. Damals bekannte sich die jihadistische Terrormiliz IS ("Islamischer Staat") zu der Tat. Ein Ableger des "Islamischen Staates" treibt im Nordsinai in Ägypten sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an. In jüngster Vergangenheit hatten Islamisten ihre Hasskampagne gegen Christen in Ägypten ausgeweitet.

Im Februar flohen Hunderte ägyptische Christen aus dem Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel. Vorangegangen war eine Mordserie an Mitgliedern der religiösen Minderheit, hinter der die Terrormiliz IS vermutet wurde.

Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hatten die Angriffe gegen Christen in dem Land zeitweise zugenommen. Unter Mursis Nachfolger, dem autoritären Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, beruhigte sich die Lage wieder etwas.

Papst besucht Kairo

Für 28. und 29. April ist der Besuch von Papst Franziskus in Kairo angekündigt. Dabei will er auch seine Solidarität mit den Kopten zum Ausdruck bringen. Beim Angelusgebet am Palmsonntag verurteilte Franziskus unter anderem den Anschlag in Ägypten. Er bete für die Opfer und deren Angehörige, sowie für all jene, die wegen Kriegen leiden, sagte Franziskus.

Kriege seien eine Plage der Menschheit, sagte der Heilige Vater vor tausenden auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen. Der Papst bekundete seine Nähe zu dem ägyptischen Volk. Gott bekehre die Herzen der Menschen, die "Terror, Gewalt und Tod" verbreichen, sagte der Papst. Er bete auch für die Bekehrung all jener, die mit Waffen handeln. (APA, dpa, 9.4.2017)

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