Damir Canadi ist bei Rapid Geschichte

Video9. April 2017, 08:59
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Hütteldorfer zogen nach der 0:3-Niederlage in Ried die Konsequenzen – Goran Djuricin und Martin Bernhard übernehmen interimistisch

Wien – Rapid Wien wird den mit der 0:3-Niederlage in Ried quasi offiziell eingeläuteten Abstiegskampf ohne Damir Canadi bestreiten, der bisherige Cheftrainer wurde am Sonntag beurlaubt. Bis Saisonende übernehmen die Co-Trainer Goran Djuricin und Martin Bernhard interimistisch.

Fredy Bickel, Geschäftsführer Sport, zu dieser Maßnahme: "Die Situation ist prekär, in den letzten 14 Runden, also seit dem Amtsantritt, hat keine Mannschaft in der Liga weniger Spiele gewonnen als wir. Wir sind bedauerlicherweise endgültig im Abstiegskampf angekommen, dieser bitteren Tatsache müssen wir ins Auge sehen und handeln".

Schlimme Bilanz

Canadi löste im vergangenen November Mike Büskens ab, unter dem Rapid damals nach 14 Runden fünf Punkte hinter einem Europacup-Platz und elf Zähler vor dem Abstiegsrang an der fünften Stelle lag. Derzeit ist Rapid Siebenter – in den 14 Liga-Partien unter Canadi schauten nur elf Punkte heraus. Nur Ried war in diesem Zeitraum um zwei Zähler schlechter. In 17 Pflichtspielen unter dem Wiener wurden lediglich drei Spiele gewonnen.

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Zusammenfassung des 3:0 von Ried gegen Rapid.

In der Liga ist Rapid seit neun Runden sieglos, womit der Negativ-Rekord aus den Saisonen 1987/88 und 2012/13 eingestellt wurde. Derzeit halten die Grün-Weißen bei 31 Punkten – so wenige hatte man nach 28 Runden noch nie auf dem Konto. Außerdem war acht Partien vor Schluss der Vorsprung auf den letzten Platz mit derzeit fünf Zählern noch nie so gering wie jetzt. Die bisher schlechteste Endplatzierung der Club-Historie war Rang acht in der Spielzeit 2001/02.

Umstellungen fruchteten nicht

Canadi übernahm einen auf Ballbesitz und auf ein 4-2-3-1-System ausgerichteten Kader, stellte aber relativ schnell auf eine Dreierkette und schnelles Spiel in die Spitze um. Der erhoffte Erfolg blieb aus, zudem machten Gerüchte über schwere Differenzen zwischen dem Coach und der Mannschaft die Runde.

Gekommen war Canadi als Erfolgscoach von Altach. Unter dem 46-Jährigen Wiener war der SCR Altach Tabellenzweiter, ehe Rapid den Trainer um eine kolportierte sechsstellige Summe von den Vorarlbergern loseiste.

"Ein riesiger Lernprozess"

Im Gegensatz zu Altach griff Canadis Philosophie bei Rapid nicht. Nach dem 0:3 in Ried wirkte er vollends ratlos und sah seinen Rauswurf bereits kommen. "Egal, wie es mit Rapid ausgeht – für mich ist das ein riesiger Lernprozess", sagte der Coach.

Davor hatte sich Canadi noch gemeinsam mit den Spielern von den nach Ried mitgereisten Fans verabschiedet. Dabei ließen Trainer und Kicker minutenlang die Unmutsäußerungen der Anhänger über sich ergehen. Sprechchöre gegen Canadi gab es jedoch bis zum Schluss keine, dafür skandierten die Fans "Wir haben die Schnauze voll."(APA, red, 9.4.2017)

Der letzte Auftritt vor der Fankurve. Es war kein glorreiches Ende.

Die Trainer von Rapid seit Juli 2000 im Überblick:

Ernst Dokupil:
Juli 2000 bis August 2001

Peter Persidis:
August 2001 bis September 2001 (interimistisch)

Lothar Matthäus:
September 2001 bis Mai 2002

Josef Hickersberger:
Juli 2002 bis Ende 2005

Georg Zellhofer:
Jänner 2006 bis Ende August 2006

Peter Pacult:
September 2006 bis April 2011

Zoran Barisic:
April 2011 bis Ende Mai 2011 (interimistisch)

Peter Schöttel:
Juni 2011 bis April 2013

Zoran Barisic:
April 2013 bis Juni 2016

Mike Büskens:
Juni 2016 bis November 2016

Damir Canadi:
November 2016 bis 9. April 2017

Goran Djuricin/Martin Bernhard:
Ab 9. April: interimistisch bis Saisonende

  • Ein kurzes Vergnügen: Damir Canadi als Rapid-Trainer.
    foto: apa/hackl

    Ein kurzes Vergnügen: Damir Canadi als Rapid-Trainer.

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