So explosiv kann es schon bei der Geburt eines Sterns zugehen

8. April 2017, 12:00
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Vor 500 Jahren kollidierten im Orion zwei Protosterne und setzten auf einen Schlag so viel Energie frei wie die Sonne in zehn Millionen Jahren

Köln – Nicht nur beim Tod von Sternen in Form einer Supernova – auch bei ihrer Geburt kann es mitunter bereits zu explosiven Prozessen kommen. Astronomen gelangen einzigartige Aufnahmen von Eruptionen am Beginn eines Sternenlebens, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) mitteilte. Die Forscher untersuchten dazu die spektakulären Überreste der Geburt mehrerer massereicher Sterne im Sternbild Orion und sprechen von einem "Feuerwerk".

Protosterne in Aktion

Astronomen um John Bally von der University of Colorado nahmen eine dichte und aktive Sternentstehungsregion ins Visier, die den Namen Orion-Molekülwolke 1 (OMC-1-) trägt und zum selben Komplex wie der bekannte Orionnebel gehört. Dort wie anderswo im Universum entstehen Sterne, wenn eine Gaswolke mit einem Materie-Gehalt von mehreren hundert Sonnenmassen aufgrund ihrer eigenen Schwerkraft kollabiert. In den dichtesten Regionen entzünden sich dann sogenannte Protosterne, also die Vorläufer von Sternen, die sich laut ESO willkürlich zu bewegen beginnen.

Im Laufe der Zeit fallen demnach manche Sterne zunehmend in Richtung eines gemeinsamen Schwerkraftzentrums, das in der Regel von einem besonders großen Protostern dominiert wird. Kommen sie noch in die Nähe eines anderen Sterns, bevor sie die Sternentstehungsregion verlassen, können mitunter heftige Wechselwirkungen stattfinden.

Kollision vor 100.000 Jahren

Im Fall der untersuchten Orion-Region fanden Forscher heraus, dass sich vor etwa 100.000 Jahren tief im Herzen von OMC-1 mehrere Protosterne zu bilden begannen. Die zunehmende Schwerkraft hielt sie gegenseitig fest, wobei ihre Geschwindigkeit immer größer wurde, bis vor 500 Jahren zwei Sterne schließlich kollidierten.

Astronomen sind der ESO zufolge nicht sicher, ob die beiden Sterne einander nur streiften oder ob sie frontal aufeinanderprallten. Auf jeden Fall hatte die Kollision eine gewaltige Eruption zur Folge, die andere Protosterne in der Nähe und große Mengen Gas und Staub mit über 150 Kilometern pro Sekunde in den interstellaren Raum schleuderte. Dabei wurde so viel Energie frei, wie die Sonne in zehn Millionen Jahren aussendet. 500 Jahre später gelang es nun Ballys Team, mit dem ALMA-Observatorium in Chile tief in die Wolke hineinzublicken – ALMA erlaubt Beobachtungen im Millimeter- und Submillimeterbereich.

Die Aufnahmen sind echte Glückstreffer: Protostellare Explosionen kommen nach Einschätzung von Wissenschaftern zwar relativ häufig vor. Allerdings dürften sie stets nur wenige hundert Jahre sichtbar sein – hochgerechnet auf kosmische Dimensionen ist es also kein alltäglicher Anblick. (APA, red, 8. 4. 2017)


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ESO

  • Farblich veränderte Aufnahme des "Feuerwerks" im Orion: Blau leuchten durch die Explosion ins All geschleuderte Gasmassen, die besonders schnell unterwegs sind. Die roten bewegen sich etwas langsamer in unsere Richtung.
    foto: eso/alma

    Farblich veränderte Aufnahme des "Feuerwerks" im Orion: Blau leuchten durch die Explosion ins All geschleuderte Gasmassen, die besonders schnell unterwegs sind. Die roten bewegen sich etwas langsamer in unsere Richtung.

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