Tropisches Geisterfischchen in Chemnitz aufgetaucht

8. April 2017, 08:00
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Ctenolepisma calva noch nie zuvor in Europa gesichtet

Chemnitz – Biologen haben in Chemnitz ein bisher noch nie in Europa aufgetauchtes Insekt entdeckt (ein Foto finden Sie hier): Das Team des städtischen Museums für Naturkunde freut sich damit über eine "kleine Sensation". Diese Begeisterung werden Nicht-Entomologen nicht unbedingt nachvollziehen können, handelt es sich bei dem Tier doch um einen Verwandten des ungeliebten Silberfischchens.

Fischchen bilden eine eigene Ordnung von Insekten. Typisch für die nachtaktiven Tiere sind ein mit glänzenden Schuppen bedeckter, abgeflachter Körper und sehr lange Antennen. Sie werden im Schnitt nur einige Millimeter groß – in Portugal hat man hingegen eine unterirdisch lebende Art gefunden, die es auf zehn Zentimeter bringt. In einem mitteleuropäischen Badezimmer werden einem solche Riesen freilich nicht über den Weg laufen, in unseren Breiten kannte man bisher nur fünf Fischchenarten.

Der Neuzugang

Dazu gesellt sich mit dem Geisterfischchen der Spezies Ctenolepisma calva nun eine sechste in üblicher Größe. Die wenig bekannte Spezies wurde erstmals 1910 in Sri Lanka beschrieben und in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Lateinamerika gesichtet. In Europa ist sie neu – auch wenn sie schon länger hier sein dürfte: Immerhin fanden die Chemnitzer Forscher die Tiere nicht nur in einer Wohnung, sondern auch in ihrem eigenen Museum.

"Zwei Vorkommen in einer Stadt wie Chemnitz sind sicher kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, dass sich das tropische Fischchen aktuell bei uns ausbreitet", sagte Sven Erlacher vom Museum für Naturkunde. Die Exemplare wurden gemeinsam mit einem Wissenschafter der Universität Lissabon bestimmt.

Erlacher ruft dazu auf, auf die neue Art der Geisterfischchen zu achten und wenn möglich Fotos an das Naturkundemuseum zu schicken. Das Insekt ist den Angaben zufolge weißlich und wird bis zu acht Millimeter groß. Das Museum zeigt ab 4. Mai eine Sonderausstellung zur Invasion neuer Arten in Mitteleuropa. (red, APA, 8. 4. 2017)

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