Die Bayern empfangen Dortmund zum Showdown

7. April 2017, 14:39
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Der Klassiker FC Bayern gegen Borussia Dortmund elektrisiert die Massen – auch wenn es diesmal nur für den BVB um richtig viel geht

München – Für Hans-Joachim Watzke hat der deutsche Fußball-Klassiker nichts von seinem Reiz verloren. "Die ganze Welt schaut zu", behauptet der Geschäftsführer von Borussia Dortmund vor dem Spitzenspiel der Bundesliga am Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Bayern München. Doch sein Münchner Kollege Karl-Heinz Rummenigge denkt schon etwas weiter. "In vier Tagen ist Showtime", schreibt er in seinem Vorwort zum Gipfel im Stadionheft – also nicht gegen den BVB, sondern gegen Real Madrid.

Zehn Punkte Vorsprung auf "Verfolger" RB Leipzig, gar 15 auf den "ewigen Rivalen" Dortmund: Der FC Bayern kann es sich trotz der jüngsten Niederlage bei 1899 Hoffenheim (0:1) leisten, auf die Festtage in der Champions League gegen die Königlichen zu schielen. Während die Münchner den fünften Meistertitel in Serie sieben Runden vor Saisonende quasi in der Tasche haben, muss Dortmunds letztes Aufgebot im Kampf um Platz drei dringend punkten. "Für uns geht es um mehr als für die Bayern", sagt Watzke.

Topspiel

Bayern-Coach Carlo Ancelotti wird die angeschlagenen Stars Manuel Neuer und Thomas Müller eingedenk des Krachers am Mittwoch gegen Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Co. schonen. Auf die leichte Schulter nimmt er den BVB aber nicht. "Das ist ein Topspiel gegen eine der besten Mannschaften Europas. Wir brauchen die beste Leistung und die beste Aufstellung", sagte er. Dazugehören wird Robert Lewandowski, der Torjäger ist nach leichten Oberschenkelproblemen bereit für das Duell mit Pierre-Emerick Aubameyang.

Ancelotti betonte, dass seine Mannschaft trotz Real "nur an dieses Spiel" gegen Dortmund denke. Und auch Weltmeister Mats Hummels meinte: "Wir werden alles auf den Platz bringen, was wir haben." Es gehe darum, "mit einem guten Gefühl aus dieser schwierigen Woche herauszugehen". Denn, so schreibt der frühere Meistercoach beider Klubs, Ottmar Hitzfeld, im kicker: Eine weitere Niederlage nach Hoffenheim würde in München nur "unnötige Zweifel schüren".

"Keine Ausrutscher"

Diese sind zuletzt auch in Dortmund wieder aufgekommen. Sportdirektor Michael Zorc sieht das Saisonziel Rang drei, also die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League, in Gefahr. "Wir dürfen uns keinen Ausrutscher mehr erlauben", sagt er. Da kommt der erneute Ärger um "Maskenmann" Aubameyang, der am Mittwoch bei den Bossen zum Rapport erschienen war, zur Unzeit. Watzke betont allerdings, es sei "alles gut" mit "Auba".

Das gilt jedoch nicht für die Personalsituation beim BVB. Neben Mario Götze werden Marco Reus, André Schürrle und Erik Durm fehlen. Julian Weigl, Shinji Kagawa und Lukasz Piszczek sind laut Trainer Thomas Tuchel "sehr fraglich", der Einsatz von Marc Bartra ist gefährdet. Immerhin kehrt Kapitän Marcel Schmelzer nach überstandenen Rückenproblemen zurück. Tuchel will bei den angeschlagenen Spielern nicht zu viel riskieren, ist die Borussia am Dienstag gegen AS Monaco doch ebenfalls im Viertelfinale der Champions League gefordert.

Den Bayern weh tun

"Wir wollen den Bayern weh tun", meint der Coach zwar, aber auch, dass das Duell irgendwie "dazwischenhängt". Außerdem habe es "Einfluss, dass wir noch einmal gegeneinander spielen" – am 26. April im DFB-Pokal-Halbfinale. Erst dann würden "restlos alle Karten offengelegt werden".

Für Sky-Experte Christoph Metzelder steht fest, dass Dortmund "an einem guten Tag die Bayern schlagen" kann, wie er dem SID sagte. Das habe man im Hinspiel Mitte November gesehen – da gewann Dortmund 1:0. Torschütze: Aubameyang.

Stögers Rekord

Etwas Besonderes steht auch Peter Stöger bevor. Der Wiener sitzt am Samstag im Derby gegen Borussia Mönchengladbach zum 130. Mal in Serie in einem Ligaspiel als Chefcoach auf der Betreuerbank des 1. FC Köln und stellt damit den Clubrekord von Trainer-Ikone Hennes Weisweiler ein.

Wichtiger ist dem seit 2013 in Köln tätigen Ex-Austria-Meistermacher aber die Tabellensituation. Köln hat sich auf Rang fünf vorgeschoben. "Wir wollen diesen Platz verteidigen", betonte Stöger nach wochenlanger Zurückhaltung. "Wenn wir gewinnen, würde sich unsere Chance auf die internationalen Plätze vergrößern."

Trainerkollege Ralph Hasenhüttl hat mit Leipzig noch höhere Ziele. Der Red-Bull-Club hat zu Hause gegen Bayer Leverkusen den nächsten Schritt in Richtung Champions-League-Einzug im Visier. "Wir haben die Möglichkeit, am Ende der Saison Geschichte zu schreiben, und wollen natürlich den Tabellenplatz halten", sagte Hasenhüttl.

Auf Punkteverluste der Konkurrenten Hoffenheim (beim Hamburger SV) und Dortmund will sich der Steirer nicht verlassen. "Man wird nur da vorne bleiben, wenn man Spiele gewinnt", meinte Hasenhüttl. "Wir können nicht darauf warten, dass die anderen Teams Spiele verlieren." Auch nicht in München. (sid, APA, 7.4.2017)

Die Begegnungen der 28. Runde in der deutschen Bundesliga:

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen (Freitag, 20.30 Uhr)
Schalke 04 – VfL Wolfsburg
1. FC Köln – Borussia Mönchengladbach
Hamburger SV – 1899 Hoffenheim
SC Freiburg – FSV Mainz 05
RB Leipzig – Bayer Leverkusen (alle Samstag, 15.30 Uhr)
Bayern München – Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr)
Hertha BSC – FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr)
FC Ingolstadt – Darmstadt 98 (Sonntag, 17.30 Uhr, alle Sky)

  • Alaba und Aubameyang kennen sich.
    foto: reuters/pfaffenbach

    Alaba und Aubameyang kennen sich.

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