Deborah Stratman: Geräusche für getäuschte Sinne

    8. April 2017, 17:00
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    "Kunst über Kunst" ist in der Galerie Stadtpark Krems zu sehen. Derzeit mit Filmen der US-Filmkünstlerin

    Die Galerie Stadtpark in Krems hat eine lange Geschichte. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zum 1919 gegründeten Wachauer Künstlerbund. Der Verein errichtete 1960 aus Eigenmitteln ein Ausstellungshaus direkt an der Kremser Grünoase. Das reduzierte und großflächig transparent gestaltete Gebäude von Architekt Rupert Schweiger gilt als frühes Musterbeispiel modernistischer Architektur und Besonderheit in Niederösterreich.

    In den 1970er-Jahren positionierte man sich als nichtkommerzieller Raum für Gegenwartskunst, seit 2000 besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kremser Artist-in-Residence-Programm. Gefördert wird der Betrieb zu je einer Hälfte von Land und Bund. Die Programmgestaltung obliegt seit 2008 dem Wiener Kurator David Komary. Er legt den Schwerpunkt des Hauses auf Fragen nach Wahrnehmung, Realität und Fiktion, die Entwicklungen abstrakter und multimedialer Kunst.

    Bedrohliche Kaffeemaschine

    Als beispielhaft für diese Ausrichtung kann auch die aktuelle Ausstellung der US-Filmkünstlerin Deborah Stratman durchgehen. Zu sehen sind zwei Kurzfilme, in denen sich die 50-Jährige dem komplexen Zusammenspiel von Bild und Ton, der Beeinflussung visueller Wahrnehmung durch akustische Störung, annimmt. Der Galerienphilosophie folgend, stark auf "Kunst über Kunst" zu setzen, beschäftigt sich Stratman auch mit verschiedenen Techniken der Filmproduktion.

    So haftet dem sechsminütigen Video The Magician's House (2007), in dem sie das Heim eines im Sterben liegenden Filmkollegen aus verschiedenen Winkeln porträtiert, die Patina des 16-mm-Analogfilms an. Stille, oft unscharfe Einstellungen werden mit Flüsterstimmen, Knacksen, Windböen, Orgelmusik, entfernt aufbrandendem Jubel und Pianospiel unterlegt. In die Melancholie des Todes mischen sich akustische Erinnerungsbruchstücke aus einem zu Ende gehenden Leben.

    Bedrohlich rätselhaft beginnt auch der fünfzehnminütige Film Hacked Circuit (2014), der im großen Ausstellungsraum zu sehen ist. Ruhig und fahrig zugleich bewegt sich die Steadicam (Schwebekamera) in einer abendlichen Straßenszenerie ums Eck eines Gebäudes. Von irgendwoher tönen Geräusche, die nicht sofort zuordenbar sind. Dadurch entsteht jene verunsichernde Spannung, mit der gut gemachte Psychothriller an sich harmlose Szenerien in etwas im wahrsten Sinne Unheimliches verwandeln.

    Schließlich schwebt die Kamera in das Gebäude hinein. Stratman treibt das Spannungsspiel ironisch auf die Spitze, indem selbst eine Kaffeemaschine mittels Akustik zur Bedrohung wird. Dann folgt der Bruch in der Tonspur, und das Rätsel beginnt sich aufzulösen: Die Kamera führt in einem Take durch das Innere eines Tonstudios, in dem zwei Männer, einer am Mischpult, einer mit Holzlatten hantierend, an der Vertonung von Geräuschen für einen Film arbeiten.

    Es sind Szenen aus Francis Ford Coppolas The Conversation (1974), die von den "Foley Artists" (Geräuschemachern) gerade synchron vertont werden. Nicht zufällig entschied sich Stratman für einen Film, in dem es um einen Abhörspezialisten geht, der sich sukzessive in Paranoia verliert. Nur für wenige Minuten verweilt die Kamera im Studio, ehe sie sich durch den Hinterausgang zum Anfangspunkt zurückbewegt. Das Bemerkenswerte: Obwohl der Betrachter nun weiß, woher die Geräusche stammen, bleibt die Drohkulisse weiter aufrecht.

    Mit Deborah Stratman führt die Galerie Stadtpark vor Augen und Ohren, wie leicht sich menschliche Wahrnehmung täuschen lässt. Die Ausstellung läuft in Kooperation mit dem Donaufestival, das von 28. 4. bis 6. 5. stattfindet. (Stefan Weiss, Album, 8.4.2017)

    Bis 3. 6., Galerie Stadtpark, Wichnerstraße, 3500 Krems

    • In "Hacked Circuit" spielt ein Geräuschemacher die Hauptrolle.
      foto: deborah stratman

      In "Hacked Circuit" spielt ein Geräuschemacher die Hauptrolle.

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