Novomatic-Einkaufstour drückte 2016 auf Gewinn

7. April 2017, 13:16
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Nach Novomatic-Rechnung sind Casinos Austria insgesamt 547 Millionen Euro wert

Wien/Gumpoldskirchen – Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic wächst und wächst. 2016 war der neue Großeigner der teilstaatlichen Casinos Austria wieder kräftig auf Einkaufstour und steigerte den Umsatz auf ein Rekordniveau. Die Akquisitionskosten drückten jedoch ziemlich auf den Gewinn. Unternehmensgründer und Milliardär Johann Graf ließ sich weniger Dividende auszahlen: 50,8 Mio. statt 161,3 Mio. Euro.

2016 setzte der Börsenkandidat Novomatic knapp 2,3 Mrd. Euro um, um zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um knapp 5 Prozent auf 588,5 Mio. Euro zurück, das operative Ergebnis (Ebit) um 16 Prozent auf 264,1 Mio. Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) sackte um ein Viertel auf 229,4 Mio. Euro ab und der Jahresüberschuss schrumpfte um mehr als 27 Prozent auf 154,4 Mio. Euro. Das Finanzergebnis verschlechterte sich von -7 Mio. auf -34,7 Mio. Euro, Hauptgründe waren geringere Erträge aus Finanzanlagen und Währungsverluste aus konzerninternen Finanzierungen.

Größte Zuwächse im Automatenbereich

Zum Novomatic-Imperium zählen mittlerweile 217 vollkonsolidierte Unternehmen auf der ganzen Welt. 2015 waren es 188. Der durchschnittliche Mitarbeiterstand stieg von 19.956 auf 23.391 Personen, davon waren 14.772 Arbeiter und 8.619 Angestellte, geht aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervor.

Die größten Zuwächse verzeichnete Novomatic im Automatenbereich, in dem die Erlöse um 127 Mio. auf mehr als 1 Mrd. Euro gestiegen sind. "Neben der im Jahr 2016 erfolgten Akquisition von Talarius im Vereinigten Königreich trugen die etablierten Betreibergesellschaften in Deutschland und Italien sowie die kürzlich erworbenen Gesellschaften in den Märkten Deutschland, Italien und Spanien zu diesem Anstieg bei", erklärte das Unternehmen. Novomatic kauft in seinen Kernländern seit langem kleine Automatenbetreiber auf.

Einstieg bei Ainsworth

Größter Coup der Niederösterreicher war der 53-Prozent-Einstieg beim australischen Ainsworth-Konzern für 473 Mio. australische Dollar (336 Mio. Euro). Dadurch erhofft sich Novomatic verstärkten Zugang zum lukrativen amerikanischen Markt. Das Closing des Deals erwartet Novomatic frühestens im dritten Quartal 2017, es stehen noch diverse Behördenzustimmungen aus.

Auch heuer hat Novomatic schon einige Unternehmen in Polen, Spanien, Italien, den Niederlanden und Deutschland gekauft.

Um das alles zu finanzieren, hat der Konzern im September 2016 eine neue Anleihe über 500 Mio. Euro begeben. Im März 2017 hat das Unternehmen zusätzlich eine revolvierend ausnutzbare Kreditlinie in Höhe von 1 Mrd. Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren (mit Verlängerungsoption von bis zu zwei Jahren) abgeschlossen, heißt es im Geschäftsbericht.

Börsespekulationen

Um Novomatic hat es zuletzt Börsespekulationen gegeben, im Geschäftsbericht geht das Unternehmen jedoch nicht darauf ein. Laut Angaben aus Finanzkreisen im März plant Novomatic ein Initial Public Offering (IPO) von 20 bis 30 Prozent der Anteile. Ein Börsengang ist demnach in der zweiten Jahreshälfte in London oder Frankfurt angedacht. Novomatic würde an der Börse mit mehr als sechs Mrd. Euro bewertet. Als Alternative soll Eigner Graf über den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung nachdenken.

Im Heimatland Österreich machte Novomatic mit dem Einstieg bei der Erzrivalin Casinos Austria, zu der auch die Lotterien gehören, Furore. Den Buchwert der Anteile (indirekt 11,6 Prozent an den Lotterien und direkt 17,2 Prozent an der Casag) per Ende 2016 bezifferte Novomatic im Geschäftsbericht mit 196,6 Mio. Euro. Der Marktwert der 17,2 Prozent liegt laut Novomatic-Rechnung bei 94 Mio. Euro. Die gesamten Casag (100 Prozent) werden somit mit 546,7 Mio. Euro bewertet (equity value).

Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts

Was das Automatenspiel in den Bundesländern betrifft, hofft Novomatic, in Niederösterreich und dem Burgenland (länger) weiterspielen zu können. In beiden Bundesländern waren Konzessionen gekippt worden. In Niederösterreich rechnet Novomatic im zweiten Quartal 2017 mit einer Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts (LVwG). "Ein Fortbetrieb ist bis November 2017 aufgrund der gesetzlichen Fortbetriebspflicht und eines Feststellungsbescheids gesichert. Im Burgenland ist der Fortbetrieb der 110 bewilligten Glücksspielautomaten bis Juni 2017 gesichert und eine Entscheidung im Hinblick auf das fortgeführte Auswahlverfahren steht noch aus", so das Unternehmen.

Der addierte Gesamtumsatz des Novomatic-AG-Konzerns sowie der beiden Schweizer Schwestergesellschaften ACE Casino Holding AG und Gryphon Invest AG stieg im Jahr 2016 mit 4,4 Mrd. Euro (2015: 3,9 Mrd.) ebenfalls auf einen neuen Höchstwert, so Novomatic in einer Aussendung. Die Unternehmen beschäftigen weltweit rund 29.000 Mitarbeiter, davon 3.300 in Österreich. (APA7.4.2017)

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