Pensionslasten drücken Wien Energie erneut in die roten Zahlen

7. April 2017, 12:27
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Der Jahresverlust 2016 summiert sich auf mehr als 80 Millionen Euro. Das Sparprogramm soll dennoch Ende 2017 auslaufen

Wien – Wien Energie, mit rund zwei Millionen Kunden größter Energieversorger Österreichs, hat erneut einen Verlust zu verdauen. Nach einem Konzern-Jahresüberschuss von 27,4 Millionen Euro im Jahr 2015 weist das zu den Wiener Stadtwerken gehörende Unternehmen für 2016 einen Konzernverlust von 80,2 Millionen Euro aus. Als Gründe führt das Management um Geschäftsführer Michael Strebl insbesondere Nachdotierungen für die Pensionsvorsorgen aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus, aber auch Wertberichtigungen an.

Die Wiener Stadtwerke und damit auch die Wien Energie GmbH haben im Zuge der Ausgliederung die Pensionsverpflichtungen der Stadt Wien übernommen. Bereits 2013 musste Wien Energie Nachdotierungen für die Pensionsvorsorgen vornehmen, der kalkulatorische Zinssatz wurde damals bei 2,5 Prozent fixiert. Inzwischen sind die Zinsen aber weiter gefallen, und es besteht eine Nachschusspflicht.

Problem Pumpspeicherkraftwerk Molln

Negativ hat sich in der Bilanz auch ein Projekt der Wien Energie in Oberösterreich niedergeschlagen, das seit längerer Zeit schon auf Eis liegt: das geplante Pumpspeicherkraftwerk Molln im Bezirk Kirchdorf an der Krems. Wegen Streitigkeiten mit dem Bauunternehmer Kurt Bernegger, dem das Grundstück gehört und der Ansprüche gegen Wien Energie geltend macht, hat diese "aus kaufmännischer Vorsicht" 20 Millionen Euro abgeschrieben. Der Fall soll vor einem Schiedsgericht in Tirol geklärt werden.

2012 hatte Bernegger die Wien Energie als Partner für den Bau und Betrieb des auf 320 Millionen Euro taxierten Pumpspeicherkraftwerks gewonnen. Wegen des Verfalls der Strompreise ist daraus bis jetzt nichts geworden. Bernegger macht eine Klausel im Vertrag geltend, wonach die Rechte an den Grundstückbesitzer, also ihn, zurückfallen, wenn die Wien Energie nicht bis Mitte Jänner 2017 mit dem Bau begonnen habe.

Mit Ergebnisverbesserungsprogramm im Plan

Trotz weiter steigenden Wettbewerbsdrucks plant Wien Energie derzeit keine Verschärfung des Sparkurses. Mit dem vor einiger Zeit gestarteten Ergebnisverbesserungsprogramm über insgesamt 86 Millionen Euro sei man gut im Plan. "Drei Viertel haben wir bis Ende 2016 geschafft, bis Ende des heurigen Jahres sind wir durch", sagt der für Finanzen verantwortliche Peter Gönitzer.

In Zukunft wolle man die Stärken von Wien Energie noch besser ausspielen, sagt Geschäftsführer Michael Strebl. Kein anderes Unternehmen in Österreich biete alles aus einer Hand: Strom, Gas, Wärme, E-Mobilität mit der Tankekarte und sogar Telekommunikation. Letztere Dienstleistung sei derzeit auf große Unternehmen beschränkt, man überlege aber auch, in den Privatkundenmarkt einzusteigen, sagt Strebl. Sollte es keine zusätzlichen großen Verwerfungen auf den Energiemärkten geben, werde Wien Energie mit ihren durchschnittlich 2.650 Mitarbeitern heuer wieder schwarze Zahlen schreiben. (Günther Strobl, 7.4.2017)

  • Trotz weiter steigenden Wettbewerbsdrucks plant Wien Energie derzeit keine Verschärfung des Sparkurses.
    foto: ap/roberto pfeil

    Trotz weiter steigenden Wettbewerbsdrucks plant Wien Energie derzeit keine Verschärfung des Sparkurses.

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