OMV in Libyen: Wie Rohöl das Land zusammenhält

Analyse7. April 2017, 09:49
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Libyen wäre ohne das schwarze Gold längst nicht mehr Libyen. So ist Rohöl eine Art Kitt, der das Land trotz aller Turbulenzen zusammenhält

Tripolis/Wien – Libyen war einmal der zwölftgrößte Ölproduzent der Welt. Das ist lange her. Damals saß noch ein gewisser Muammar al-Gaddafi fest im Sattel und setzte seinen Willen durch. Nach einem Arabischen Frühling, dem Sturz des Diktators sowie Bürgerkriegswirrnissen und IS-Schrecken sieht die Lage grundlegend anders aus.

Das Land ist zurückgeworfen an den Beginn eines Weges, der äußerst anspruchsvolle Passagen aufweist. Ein Unternehmen spielt dabei eine zentrale Rolle: die National Oil Company (NOC). Sie ist nicht nur für die wirtschaftliche Gesundung Libyens entscheidend, sondern auch für den Zusammenhalt des Landes. Der staatliche Ölkonzern ist das einzige Unternehmen im Wüstenstaat, das in größerem Ausmaß Devisen verdient. Haupteinnahmequelle von NOC ist der Verkauf von Lizenzen an Öl- und Gasfeldern sowie der Export von Kohlenwasserstoffen in die ganze Welt, auch nach Österreich.

Seit 1975 in Libyen aktiv

Die heimische OMV ist seit 1975 in Libyen aktiv, fördert seit 1985 dort Öl und hat auch während des Bürgerkriegs die Stellung gehalten. Noch heute wird der OMV hoch angerechnet, dass sie ihre libyschen Mitarbeiter auch in kritischen Zeiten weiterbeschäftigt hat, im Gegensatz zu manch anderen. Das hat auch NOC-Chef Mustafa Sanalla betont, als er sich am Donnerstag nach einer Unterredung mit OMV-Chef Rainer Seele in Wien Journalistenfragen stellte. Sanalla, seit 2014 an der Spitze der staatlichen Ölgesellschaft, scheut sich auch nicht, selbst einzugreifen, wenn es darum geht, Streit zu schlichten oder die Blockade einer Pipeline durch gutes Zureden aufzuheben.

Seine Arbeit ist eine tägliche Gratwanderung, um keine der drei Regierungen vor den Kopf zu stoßen – jene in Tripolis, jene in Tarbuk und auch den sogenannten Presidency Council nicht, der von UN und EU unterstützt wird und eine nationale Einheitsregierung zimmern soll. "Wir arbeiten weder für den Osten noch für den Westen, weder für den Norden noch den Süden," sagt Sanalla. "Wir arbeiten für das ganze Land."

Die Arbeit ist mühsam, alle Einnahmen landen auf einem Konto bei der Nationalbank in Tripolis, die einem Finanzministerium gleich das Geld wieder verteilt. Das führt dazu, dass der staatlichen Ölgesellschaft selbst immer wieder das Geld ausgeht. Hier kommen internationale Ölkonzerne wie die OMV ins Spiel. Ihre Finanzkraft ist gefragt, um die im Wüstensand gelagerten Schätze zu heben und die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen.

Produktionsmenge steigt

Nach zwei Jahren Totalausfall hat die OMV die Ölproduktion in Libyen im Frühjahr wieder auf rund 10.000 Fass am Tag (je 159 Liter) hochfahren können. Das entspricht gut drei Prozent der für heuer angepeilten weltweiten Produktionsmenge von durchschnittlich 320.000 Fass am Tag.

NOC-Chef Sanalla geht davon aus, dass das Produktionsvolumen im Land von derzeit 693.000 Fass am Tag bis Ende April auf 800.000 Fass und bis Ende August auf gut eine Million Barrel gesteigert werden kann. Zum Vergleich: In Spitzenzeiten hat Libyen 1,6 Millionen Fass am Tag produziert.

Ein Vorteil libyschen Öls sind laut OMV die "sehr geringen Produktionskosten" und die "hohe Qualität", die eine Weiterverarbeitung in den Raffinerien Schwechat und Burghausen ohne große Zwischenschritte erlaubt. 21 lokale Mitarbeiter sind auf den libyschen Feldern der OMV wieder aktiv, schon bald sollen auch Mitarbeiter aus Österreich folgen, die im Zuge der Kriegswirrnisse zurückgeholt wurden. In guten Zeiten beschäftigte die OMV rund zwei Dutzend Expats in Libyen. (Günther Strobl, 7.4.2017)

  • Nach zweijährigem Stillstand hat die OMV die Ölproduktion in Libyen im Frühjahr wieder auf rund 10.000 Fass am Tag hochfahren können.
    foto: omv

    Nach zweijährigem Stillstand hat die OMV die Ölproduktion in Libyen im Frühjahr wieder auf rund 10.000 Fass am Tag hochfahren können.

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