Österreichs Romastrategie will sich verstärkt Frauen widmen

6. April 2017, 17:39
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Regierung erhob Anliegen und Wünsche der Volksgruppe – Bildung, Arbeit und Bekämpfung von Diskriminierung größte Anliegen

Wien – Die Regierung will ihre Arbeit für die Volksgruppe der Roma ausbauen. Im Rahmen der EU-weiten Romastrategie werde man sich vermehrt Frauen und Jugendlichen widmen, kündigte die dafür zuständige Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz an. Wichtigste Anliegen seien für VertreterInnen der Volksgruppe Bildung, Arbeit und die Bekämpfung von Diskriminierung.

Der Rahmen für die nationalen Romastrategien wurde 2011 europaweit verabschiedet. In Österreich wurde dafür eine Dialogplattform eingerichtet, in welche sowohl VertreterInnen staatlicher Stellen als auch der Roma-Vereine einbezogen wurden. Im Herbst des vergangenen Jahres bestand auf der Website die Möglichkeit, an einer Umfrage teilzunehmen sowie das Roma-Strategiepapier mitzugestalten, das vom Ministerrat verabschiedet werden soll.

Schwerpunkte zu Frauen und Jugend

Ergebnis der Umfrage, an der 1.068 Personen teilnahmen: Den größten Handlungsbedarf sehen die TeilnehmerInnen bei der Bildung, gefolgt von der Beschäftigungssituation. Gleichauf folgen die Bekämpfung von Diskriminierung sowie von Antiziganismus – also Roma-Feindlichkeit. Letzteres will man auch im Rahmen von Workshops etwa an Schulen erreichen.

Die Umfrage lieferte aber auch Ergebnisse, auf deren Basis das Strategiepapier nachgebessert werden soll. So werde es nun auch eigene Schwerpunkte zu Frauen und Jugend geben, kündigte Duzdar an. Susanne Pfanner, Leiterin der Roma-Kontaktstelle im Bundeskanzleramt, sprach auch vom Wunsch der Zivilgesellschaft, die Plattform weiterzuentwickeln: "Damit läuft man bei uns offene Türen ein." Auch ein grundsätzliches Bekenntnis der Politik gegen Antiziganismus sei gewünscht.

Zentrale Gedenkstätte fehlt

Nachholbedarf der Roma-Politik der Nachbarstaaten sieht der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath. Konkret nannte er etwa die Slowakei und Ungarn. "Es ist mein Aufruf, dass international viel mehr bewegt werden muss", meinte er auch in Richtung EU. Irina Spataru, Vorstandsmitglied des Romano Centro, ortete in der österreichischen Romastrategie auch noch eine Lücke bei den Themen Armutsmigration sowie Förderung der Mehrsprachigkeit.

Was noch fehlt: Eine zentrale Gedenkstätte für die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten Roma. Zwar habe es vor Wochen ein Gespräch dazu gegeben, aber selbst ein grundsätzliches Bekenntnis der Regierung fehlt dazu. Dieses wollte auch Duzdar noch nicht abgeben, aber: "Grundsätzlich sind wir im Gespräch." (APA, 6.4.2017)

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