Entlassungen bei Spitalsgesellschaft: Darabos schweigt

6. April 2017, 18:04
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Die Entlassung des Geschäftsführers und Chefjuristen enthüllt manch Merkwürdiges. Der Jurist erhielt Suspendierung und Entlassung zeitgleich

Gloggnitz – Yalcin Duran hat am Mittwoch zwei Briefe vom selben Absender erhalten, seinem Arbeitgeber, der burgenländischen Krankenanstalten GmbH. Der eine war vom Montag, dem 3. April, und teilte dem Leiter der Krages-Rechtsabteilung mit, er sei vorläufig vom Dienst suspendiert.

Der zweite war vom Dienstag, dem 4. April, und teilte mit, dass die am Vortag – dem 3. April – mündlich kundgemachte Entlassung hiermit schriftlich nachgereicht werde. Der Schalk, der nicht selten in den Kurven des Amtweges lauert, sorgte dafür, dass beide Briefe den gleich datierten Ausgangsstempel trugen.

"Unregelmäßigkeiten"

Was für Gründe zwischen dem 3. und dem 4. April zutage getreten seien, welche die Suspendierung zu einer Entlassung verhärteten, konnte vom STANDARD nicht in Erfahrung gebracht werden. Der zuständige Landesrat Norbert Darabos (SPÖ) schwieg, am Mittwoch sprach er im ORF kryptisch von "Unregelmäßigkeiten". Welche "Unregelmäßigkeiten" von Montag auf Dienstag? Die Sprecherin: "Über Gründe sprechen wir nicht."

Am Montag war Duran – an diesem Tag noch in Unkenntnis über seine Dienstfreistellung – im Privathaus seines Geschäftsführers René Martin Schnedl. Dort kam es zu dem nun weithin bekannten Polizeieinsatz, weil, so Schnedl und Duran, zwei Anwälte des Landes ungestüm – "als hätten sie das Recht dazu" – ins Haus drängen wollten, um "Unterlagen" abzuholen, Schnedl sein Entlassungsschreiben zu übergeben. Und als Schnedl die Polizei rief, Duran die Entlassung aussprachen.

Auf der Suche nach dem Mailverkehr

Schnedl ist sich sicher, dass man auf der Suche war nach dem Mailverkehr mit dem Landhaus. Eine Korrespondenz, die er allerdings gesichert habe und im Arbeitsrechtsprozess vorlegen werde.

Schnedl glaubt, sein Beharren, das buchstabengetreu dem Gesetz folgt, sei der eigentliche Grund. Seit November sei ihm klar gewesen, dass man ihn loswerden wolle. Das Prestigeprojekt des Landes, der Neubau des Krankenhauses in Oberwart, müsste laut Regionalem Strukturplan Gesundheit (RSG) umgeplant und neu kalkuliert werden. Außerdem sei die HNO von Eisenstadt dorthin zu transformieren. Man verlangte, Schnedl solle den RSG "umschreiben".

Das wollte, so Schnedl, der Landeshauptmann. Schnedl wies Hans Niessl darauf hin, dass laut einer 15-A-Vereinbarung der RSG verbindlich sei, was diesen – so Schnedl – nur mäßig zu interessieren schien. Schnedl unterrichtet per SMS auch einen Krages-Aufsichtsrat "von der Verbindlichkeit des RSG".

"Nicht für einen Landesfürsten"

Ins Antwort-SMS des Aufsichtsrates durfte der STANDARD kurz Einschau halten. Und las Folgendes: "Kenne RSG, gilt aber nur für uns, niedriges Volk, nicht für einen Landesfürsten. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn Sie Ihren Job lieben."

Suspendierungsgrund kurios

Im ersten Schreiben, das Yalcin Duran am Mittwoch geöffnet hat – es war das vom Montag –, stand als Grund der Suspendierung kurioserweise die im Februar erfolgte Verlängerung seines im April auslaufenden Einjahresvertrages um weitere fünf Jahre.

Der Krages-Jurist wusste, dass der Vertrag – es gilt das Vieraugenprinzip – vom Geschäftsführer und einer zweiten Person unterschrieben werden musste. Es unterschrieben der Geschäftsführer und der Personalchef, der Burgenlands größten Arbeitgeber im Februar verlassen hat. Die Anwältin der beiden bereitet die Klage vor dem Arbeitsgericht vor. Wie in solchen Verfahren üblich, wird sie einmal eine außergerichtliche Einigung anbieten. (Wolfgang Weisgram, 6.4.2017)

  • Norbert Darabos, Gesundheits-Landesrat des Burgenlands.
    foto: apa / robert jäger

    Norbert Darabos, Gesundheits-Landesrat des Burgenlands.

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