Tagung: Aktuelle Fragen der Krebsmedizin

6. April 2017, 15:32
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In Bregenz diskutieren Experten über verbesserte Behandlungsmöglichkeiten und zukünftige Herausforderungen der "globalen Epidemie" Krebs

Bregenz – 600 Teilnehmer und Teilnehmerinnen diskutieren bei der Frühjahrstagung 2017 der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Bregenz bis Samstag aktuelle Fragen der Krebsmedizin. Zwar überleben immer mehr Patienten, allerdings stellen die Medikamentenkosten zunehmend ein Problem dar. Auch der sich abzeichnende Bedarf an Ärzten bereitet Kopfzerbrechen.

"Krebs ist eine Geißel, eine globale Epidemie", sagt Günther Gastl von der Medizinischen Universität Innsbruck. Krebs sei in Österreich nach wie vor die zweithäufigste Todesursache nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer aktuellen Studie für Österreich nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, an Krebs zu erkranken. "Dennoch wird die Zahl der Menschen mit Krebs bei den meisten Krebsarten bis zum Jahr 2020 um 38 Prozent ansteigen", sagte Gastl. In Österreich sind 60 Prozent der Patienten fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Zurückzuführen ist das auf die bessere Behandlungsmöglichkeit von Krebs.

Mangel an Onkologen zeichnet sich ab

Diese an und für sich erfreuliche Entwicklung wirft aber auch neue Probleme auf. So zeichnet sich etwa ein drohender Mangel an Onkologen ab. Derzeit gibt es in Österreich davon rund 400, "wegen der Entwicklung brauchen wir bis 2020 knapp 500", sagt Gastl. Dem Ärztemangel gelte es zu begegnen, indem man attraktive Arbeitsplätze anbiete. Derzeit würden noch 70 Prozent der Absolventen nach ihrem Studium in Innsbruck Westösterreich verlassen. Das habe auch damit zu tun, dass die Ausbildung europaweit harmonisiert worden sei, sagt Andreas Petzer vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. "Die Kollegen werden mobiler, das kann Vor- und Nachteile haben", so Petzer.

Felix Keil vom Hanusch-Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse zeigte sich sehr erfreut über neue Therapieformen in der Onkologie, stellte gleichzeitig aber die Medikamentenkosten infrage. Die Präparate führten in seinen Abteilungen zu Budgetsteigerungen zwischen 15 und 25 Prozent pro Jahr. Er riet deshalb, Medikamente mit Kosten von über 4.000 Euro pro Monat auf ihren Nutzen hin zu überprüfen. Oft sei die Effizienz im Alltag eine andere als in den klinischen Studien, die praktisch nur noch von der Industrie durchgeführt würden.

Kooperierende Netzwerke sind wichtig

Ähnlich sieht das Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "Wir haben viele neue Wirkstoffe in der Onkologie, neue zielgerichtete Therapien, das ist eine positive Entwicklung". Die Onkologie sei heute der attraktivste Markt für die pharmazeutische Industrie. Dabei orientiere sich die Industrie aber nicht unbedingt am Nutzen des Patienten. "Ein Drittel der neu zugelassenen Arzneimittel sind zur Behandlung von Blut- oder Tumorerkrankungen", sagt Ludwig. Zwei Drittel davon bräuchte man aber nicht, trotzdem seien diese zu bezahlen. 70 bis 80 Prozent der Innovationen brächten keinen therapeutischen Fortschritt.

Holger Rumpold, Leiter der Inneren Medizin II am LKH Feldkirch, gibt einen Überblick über die Situation in Vorarlberg. Im westlichsten österreichischen Bundesland werden pro Jahr 1.700 Neuerkrankungen verzeichnet, rund 15.000 Patienten werden jährlich betreut, 760 sterben. Die dargelegten Entwicklungen seiner Kollegen kann Rumpold auch für Vorarlberg bestätigen. "Die Bildung eines intensiv kooperierenden Netzwerks, innerhalb dessen diese Menschen betreut werden, ist der wesentlichste Schritt, um für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet zu sein", sagt Rumpold. (APA, 6.4.2017)

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