Zeitungsdesigner Garcia vor Verlegern: "Print ist nicht der Protagonist"

6. April 2017, 15:50
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Mario Garcia plädierte beim Print-Summit des VÖZ dafür, Gedrucktes und Digitales zusammen zu denken. Verlegerpräsident Kralinger zu "sponsored content": "Spricht nichts dagegen"

Wien – Das Überleben der Printmedien hängt von der Liebe zum Digitalen ab – das behauptet zumindest Mario Garcia. Der international tätige Zeitungsdesigner argumentierte beim Print-Summit des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Donnerstag als ausgewiesener Liebhaber des gedruckten Mediums. "Wo Print meiner Erfahrung nach in dieser Welt erfolgreich ist: Dort, wo sich die Leute auch darum kümmern, welchen Erfolg die Marke digital hat."

"Print ist nicht der Protagonist", erklärte Garcia den Gästen des Verlegerverbands, sondern spiele eine Rolle im "Medienquintett", bestehend aus Smartwatch, -phone, Tablet, PC und gedruckter Zeitung. Die Mitglieder vieler Redaktionen kämen in die Arbeit, um die Zeitung von morgen vorzubereiten. "Das ist der Todeskuss. Sie müssen die nächsten 15 Minuten vorbereiten, die nächsten 30 Minuten, die nächsten 45 Minuten."

Chefredakteure in Angsstarre

Auf Dauer sieht Garcia keine Zukunft für umfangreiche Tageszeitungen an Wochentagen. "Einer der wichtigsten Faktoren, warum Leser ihr Abo kündigen, sind Schuldgefühle", weil sie die Zeitung wochentags kaum lesen würden. Deshalb sollten sich Verlage auf die Wochenendausgaben konzentrieren, wenn sich die Leser zurücklehnen würden, um hintergründige Artikel zu lesen – im Unterschied zu den Wochentagen, an denen sie nach vorne gelehnt schnelle Nachrichten mobil lesen möchten. "Wir lassen Print nicht zurück, wir passen es an", beteuert Garcia.

Widerstand gegen dieser Anpassung findet Garcia auch oft bei den eigenen Kunden vor – wenn ihnen die vorgeschlagenen Änderungen in Layout und Konzept des gedruckten Mediums zu weitrechend scheinen: "Chefredakteure versetzt die nächste große Idee immer in eine Angsstarre."

Werbung für Werbung

"Österreich ist ein Printland", sagte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger, international liege man bei der Nutzung gedruckter Tageszeitungen im Spitzenfeld. "Der Werbemarkt mag uns auch", adressierte der "Kurier"-Geschäftsführer mit der Werbewirtschaft auch die Zielgruppe der nächsten Welle der VÖZ-Kampagne. "Werbung in Zeitungen und Magazinen ist jeden Euro wert", lautet der neue Claim.

Dabei spricht man beim Verlegerverband nicht nur gerne über klassische Werbung, die in gedruckten Medien besonders wirkungsvoll sei, sondern auch über neue Werbeformen wie "sponsored content", also redaktionelle Artikel, die von Werbekunden bezahlt werden.

Gräben zuschütten – zwischen Journalismus und PR

Kralinger sieht darin keine aufgeweichte Trennung zwischen Inserat und Redaktion: Würde eine Redaktion ein Thema ohnehin aufgreifen, nur nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer gewissen Größe, "spricht glaube ich nichts dagegen", dass ein Werbekunde dafür bezahlt.

Clarissa Moughrabi, Marktforscherin beim deutschen Vermarkter Media Impact, will überhaupt "diesen alten Grabenkampf zwischen Journalismus und PR (...) begraben". Denn "ein toll gemachtes Profil über ein Unternehmen" sei doch "erstmal eine tolle Information – das ist doch völlig wurst, ob es jetzt von einem Journalisten quasi recherchiert wurde oder von einer gut gemachten PR-Abteilung". (sefe, 6.4.2017)

  • "Wir lassen Print nicht zurück, wir passen es an", beteuert Zeitungsdesigner Mario Garcia.
    foto: vöz / katharina schiffl

    "Wir lassen Print nicht zurück, wir passen es an", beteuert Zeitungsdesigner Mario Garcia.

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