Fake News: Entstanden aus einer gescheiterten Revolution

6. April 2017, 14:21
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"Heute haben sich die Möglichkeiten sozialer Netzwerke gegen uns gerichtet": Panel über Falschinfos in Perugia

Perugia – Eine Diskussion über das Thema "Fake News" ohne den überstrapazierten und missbrauchten Begriff "Fake News" zu verwenden: Das hat eine Runde aus Journalisten, einer Facebook-Managerin und einem Wissenschaftler beim International Journalism Festival in Perugia versucht. Aber schon nach fünf Minuten war die erste Strafe fällig – eine Zwei Euro Münze wanderte in den Gemeinschaftstopf in der Mitte des Podiums.

Zwölf Webseiten, die erfundene Informationen veröffentlichen, hat Craig Silverman (Buzzfeed News) 2015 gefunden. Heute ist seine Excel-Tabelle um ein vielfaches länger – und das Problem "Fake News" bedeutend größer: 96 aktive Seiten, mehr als 30 weitere werden nicht mehr aktualisiert, kassieren aber weiter Werbegeld.

foto: screenshot public data lab / first draft news
Projekt von Public Data Lab und First Draft News: A Field Guide to Fake News.

Laut Silverman gebe es mehrere Gründe warum Falschnachrichten überhaupt existieren: Der leichte Zugang zum Internet für jeden, die Werbeeinnahmen, algorithmische Filter und eine steigende Polarisierung in öffentlichen Debatten. Das habe man unter anderem bei den Wahlen um die US-Präsidentschaft gesehen. Ausgerechnet der Sieger, Donald Trump, hat den Begriff "Fake News" groß gemacht – wenn auch in ganz anderem Zusammenhang für traditionelle Medien.

Eine maßgebliche Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Dabei weist der Journalist Mark Little darauf hin, dass gerade diese Plattformen während dem Arabischen Frühling die Hoffnung auf eine offenere Gesellschaft befeuert haben. "Heute haben sich die Möglichkeiten sozialer Netzwerke gegen uns gerichtet", meint Little.

"Neue Verantwortung"

Vor allem Facebook steht in der Kritik Falschnachrichten eine mediale Bühne zu geben. Jeder könne mit ein paar Handgriffen eine eigene Webseite aufsetzen und Nachrichten veröffentlichen, lautet der Vorwurf. Aine Kerr arbeitet für Facebook und kündigt Schritte gegen erfundene Nachrichten an: "Facebook ist eine neuartige Plattform. Deswegen haben wir auch eine neue Verantwortung zu tragen."

Der Facebook-Managerin ist vor allem ein Aspekt wichtig: dubiosen Webseiten die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Webseiten, die erfundene Nachrichten verbreiten, sollen nicht mehr auf Facebook werben dürfen – damit soll ihre Reichweite minimiert werden. Außerdem sollen unabhängige Medienunternehmen "Fake News" enttarnen und die Nutzer vor Unwahrheiten warnen.

Letztlich waren sich die Diskutanten einig, dass man nur gemeinsam gegen Lügen im Internet gewinnen könne. Und doch haben sie an diesem Tag relativ oft verloren: Die Regel, den Begriff "Fake News" zu vermeiden, war dann doch zu schwierig. Der Gemeinschaftstopf war schnell mit ein paar Euro und einem Metro-Ticket gefüllt. (Matthias Balmetzhofer, 6.4.2017)

Das Video

Das Video zur Debatte über "Fake News and the Misinformation Ecosystem" auf der Webseite des International Journalism Festivals in Perugia:

international journalism festival
Fake News und das Geschäft mit Fehlinformation – auf dem Podium in Perugia: Aine Kerr (Manager Global Journalism Partnerships Facebook), Mark Little (Journalist), Alexios Mantzarlis (The Poynter Institute), Craig Silverman (Medienredaktuer BuzzFeed News), Claire Wardle (First Draft News).

Zum Projekt

Vom Internationalen Journalismus Festival in Perugia berichten Studierende des Instituts für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien der WKW.

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