Gewissheit über lebensfreundliche Exoplaneten schon in zehn Jahren möglich

    6. April 2017, 12:41
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    ESO-Chef Tim de Zeeuw dämpft aber überzogene Erwartungen: Die Erde war die längste Zeit hindurch nur von Einzellern bewohnt

    Madrid – Die Entdeckung mehrerer möglicherweise lebensfreundlicher Exoplaneten in relativer Nähe zu unserem Sonnensystem hat viele Astronomen begeistert. Nach Ansicht des Chefs der Europäischen Südsternwarte ESO, Tim de Zeeuw, könnte es bereits in den kommenden zehn Jahren Klarheit darüber geben, ob es auf den Exoplaneten um den Roten Zwergstern Trappist-1 oder auf dem Planeten Proxima-b außerirdisches Leben gibt.

    Zugleich warnte er vor überzogenen Erwartungen. "Ich sage nicht, dass es aussehen muss wie bei uns", sagte de Zeeuw. "Wenn man sich die Geschichte der Erde ansieht, gab es während der längsten Zeit nur einzelliges Leben." Allerdings kann man es auch positiv formulieren: Immerhin war die Erde in ihren 4,5 Milliarden Jahren wesentlich länger eine belebte als eine sterile Welt: Die ältesten Spuren von Leben sind zwischen 4,1 und 3,7 Milliarden Jahre alt.

    Die Kandidaten

    Die ESO-Teleskope in der chilenischen Atacama-Wüste waren maßgeblich an der Entdeckung der sieben Exoplaneten um den Roten Zwergstern Trappist-1 und des Planeten Proxima-b beteiligt. Proxima-b im uns nächsten Sternsystem Proxima Centauri ist vermutlich ein Gesteinsplanet wie die Erde, wie De Zeeuw erklärte. Sollte es dort Wasser geben, könnte es flüssig sein – eine Voraussetzung für Leben. Die Chancen dafür schätzt er aber gering ein.

    Auch einige der Planeten im 39,5 Lichtjahre von uns entfernten System Trappist-1 befinden sich in der habitablen Zone um ihren Stern. Auch dort könnte also Leben, wie wir es kennen, möglich sein. Dies herauszufinden sei "Detektivarbeit".

    Bald wird den kosmischen Detektiven der ESO ein weiteres Instrument zur Verfügung stehen: Ab Mai beginnen in Chile die Bauarbeiten für das European Extremely Large Telescope (E-ELT) – mit einem Spiegel von 39 Metern Durchmesser wird es das größte optische Teleskop der Welt sein. Die Inbetriebnahme ist für 2024 geplant. (APA, red, 6. 4. 2017)

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      Die Welt Pandora aus "Avatar" (hier Skizzen zu einem filmbezogenen Themenpark von Disney) war stark von neotropischen Regenwäldern inspiriert, mit einem gewissen Einschlag von Erdmittelalter. Sollten wir tatsächlich Anzeichen von Leben auf einem Exoplaneten finden, ist die Chance aber gering, dass es ähnlich spektakulär aussieht.

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