Mit wem Elvis "Trude Frutti" sang: Ausstellung und ORF-Doku

    7. April 2017, 07:28
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    Als Jüdin von den Nationalsozialisten vertrieben, wurde die Wienerin Trude Forsher in den 1950er-Jahren Sekretärin von Elvis Presley in Hollywood

    Wien – Trude Forshers Geschichte ist die einer Flucht, einer Vertreibung aus Wien, aber auch die einer erstaunlichen Karriere, jedenfalls die völlig in Vergessenheit geratene Biografie einer Frau, die in den USA in den Anfängen des Rock 'n' Roll eine der mächtigsten Frauen im Showbusiness war.

    Das Jüdische Museum widmet ihr eine Ausstellung, im August ist dazu die Dokumentation "Elvis und das Mädchen aus Wien" von Kurt Langbein zu sehen. Der Film wurde am Mittwoch unter Anwesenheit von Trude Forshers Sohn James im Jüdischen Museum präsentiert.

    Von 1956 bis 1962 hieß es, wer zu Elvis Presley will, muss erst zu Trude. Den Aufstieg des jungen Lastkraftwagenfahrers erlebt sie unmittelbar, zusammen mit dem Manager, Colonel Tom Parker, bildet sie ein Gespann, das maßgeblichen Anteil an der Erfolgsgeschichte des "King" trägt.

    Von Wien-Pötzleinsdorf nach New York

    Ihr Sohn James ist an der Dokumentation beteiligt, Langbein suchte ihn in den USA auf, gemeinsam reisten sie zu den Wirkstätten der Mutter.

    Forsher wurde 1920 in Pötzleinsdorf geboren, erlebte mit ihren Eltern und den Großeltern eine behütete Kindheit, aus der sie 1938 jäh gerissen wurde. Den Einmarsch Hitlers sah sie in Wien: "Da wusste ich, dass ich nach Hause gehen musste", sagt Forsher in einer der Filmaufnahmen, die ihr Sohn mit ihr zu Lebzeiten gedreht hat. Sie wurde verhaftet, entging knapp einer Vergewaltigung und schaffte gerade noch die Flucht nach Großbritannien. Dort war sie ohne Geld, ohne Job und obdachlos.

    Während Elvis Lastkraftwagenfahrer war, gelang ihr 1942 mithilfe eines Onkels in Amerika und mehrerer Freunde die Überfahrt mit dem Schiff nach New York. Sie machte eine Journalismusausbildung und wurde von Colonel Parker angeheuert. Von da an ging es rasant bergauf, Forsher, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder, verschrieb sich zur Gänze ihrer neuen Karriere. Sie wurde, ungewöhnlich genug für eine Frau in den Fifties, eine der mächtigsten Frauen im Showbusiness.

    "Er war nicht sehr sexy, aber er hatte eine Aura", sagte Forsher über Elvis. Bei Dreharbeiten zu "Love Me Tender" habe er sie mit seiner Limousine nach Hause gefahren und während der gesamten Fahrt "Trude Frutti" gesungen.

    "Unglaublich mutige Frau"

    Kurt Langbein trug Archivmaterial aus dem Privatbeständen James Forshers mit Radio- und Filmaufnahmen zusammen und traf wichtige Wegbegleiter, etwa Elvis Presleys Schlagzeuger DJ Fontana und die Freundin des "King", June Juanico.

    "Sie war eine unglaublich mutige Frau", sagte Danielle Spera im Jüdischen Museum. Den Widrigkeiten des Lebens stellte sie sich. Als ihr Ehemann Bruno mit der Karriere seiner Frau nicht zurande kam, ließ sie sich scheiden – obwohl sie wusste, dass sie damit ihren Job los sein würde. "Wenn du die Scheidung einreichst, entlasse ich dich. Ich kann keinen Skandal brauchen", sagte Colonel. Sie wollte es nicht glauben und tat es doch. "Meine Mutter ließ sich scheiden und hatte keinen Job mehr", erinnert sich James. "Ich hatte das Privileg, dabei zu sein", sagte Trude. Sie kannte keinen Groll.

    Später wurde Forsher TV-Produzentin von zwei kleinen TV-Shows in lokalen Sendern. Mit beiden war sie nicht erfolgreich. Trude Forsher zog sich aus dem Showbusiness zurück, arbeitete für einen Rabbi und setzte sich für die Rechte geschiedener Frauen ein. Sie starb im Jahr 2000. (prie, 7.4.2017)

    Info:
    "Trude & Elvis. Wien – Memphis – Hollywood" ist bis 12. November 2017 im Extrazimmer des Museums Dorotheergasse zu sehen. Das Museum Dorotheergasse – Palais Eskeles, 1010 Wien, Dorotheergasse 11, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet.

    • Trude Forsher managte Elvis Presley.
      foto: orf

      Trude Forsher managte Elvis Presley.

    • Trude Forshers Sohn James war anlässlich der Ausstellungseröffnung und der Dokumentation zu Gast im Wiener Jüdischen Museum.
      foto: orf

      Trude Forshers Sohn James war anlässlich der Ausstellungseröffnung und der Dokumentation zu Gast im Wiener Jüdischen Museum.

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