Wifo: "Digitalisierungsmilliarde" würde 8.400 Beschäftigte auslasten

6. April 2017, 11:28
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Forscher sehen dringenden Nachholbedarf bei Breitbandausbau und Ausbildung

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht in Österreich großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Im internationalen Vergleich liege Österreich zurück und das Pro-Kopf-Einkommen sei unterdurchschnittlich. Besonders dringend gehöre das Breitband ausgebaut. In einer Studie ging das Wifo auch darauf ein, was eine hypothetische "Digitalisierungsmilliarde" brächte: Die Auslastung von 8.400 Beschäftigten.

Bereits 2016 haben die Wifo-Forscher Oliver Fritz und Gerhard Streicher ausgerechnet, welche volkswirtschaftlichen Effekte eine zusätzliche Investition von 1 Mrd. Euro hätte. Berücksichtigt man nur unmittelbar beauftragte Branchen und den Vorleistungskreislauf, würde die Digitalisierungsmilliarde ein Wertschöpfung von 700 Mio. Euro auslösen. "Dabei werden gut 8.400 Beschäftigte (Jahresvollzeitäquivalente ausgelastet", so das Wifo in einer neuen Digitalisierungsstudie, die im aktuellen Monatsbericht (März) des Instituts veröffentlicht wurde.

Gestiegene Einkommen

Bezieht man auch Effekte wie gestiegene Einkommen ein, die in den Konsum ankurbeln und so eine höhere Nachfrage erzeugen, erreicht die verbundene Wertschöpfung laut dem Modell mehr als 1,2 Mrd. Euro. Das entspräche einer Auslastung von 14.700 Beschäftigten.

Österreich muss nach Ansicht des Wifo noch einiges tun, um fit für die digitale Zukunft zu werden. Das Ausbildungssystem müsse dementsprechend modernisiert werden. Langfristig "wird die größere Herausforderung aber bestehen, vermehrt Fähigkeiten auszubilden, die weniger automatisierbar sind – also zum Beispiel soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Urteilsvermögen in Bezug auf unstrukturierte Aufgaben. Gleichzeitig gewinnen digitale Kompetenzen und Qualifikationen ... in allen Berufsgruppen weiter an Bedeutung", schreiben die Studienautoren Michael Peneder, Julia Bock-Schappelwein, Matthias Firgo, Oliver Fritz und Gerhard Streicher.

Roboter

Was die den Wegfall von Jobs betrifft – Stichwort Roboter, die Arbeiter ersetzen -, ist das Wifo nicht so pessimistisch. Durch die Digitalisierung würden bestehende Berufe in der Regel nicht obsolet, jedoch veränderten sich die Arbeitsinhalte von standardisierbaren zu nicht standardisierbaren Tätigkeiten. Manuelle Routinetätigkeiten gerieten jedoch weiter unter Druck. "Diese werden vorwiegend von formal geringqualifizierten Arbeitskräften geleistet, deren Beschäftigungsanteil in der Folge weiter sinken dürfte."

Dass Berufe mit manuellen Tätigkeiten von Jobs mit nicht-manuellen Tätigkeiten verdrängt werden, sei ein generelles Muster der Tertiärisierung, also der wachsenden Bedeutung von Dienstleistungen. Der zunehmende Ersatz von Routine-Arbeiten durch Nicht-Routine-Tätigkeiten hat in Österreich laut Wifo aber noch nicht ganze Berufsgruppen vom Arbeitsmarkt verdrängt – "auch nicht solche mit vorwiegend Routine-Tätigkeit (im Gegensatz zu jenen mit vorwiegend manueller Tätigkeit)". (APA, 6.4. 2017)

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