Bohrende Fragen nach der Verbund-Dividende

5. April 2017, 18:07
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Aktionäre des Stromkonzerns murren – Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg geht, Gerhard Roiss kommt

Wien – "Wie kann es sein, dass die Dividende um 17 Prozent gekürzt wird, obwohl wir besser verdient haben?", meinte ein Aktionär. "Ich habe meine Verbund-Aktien bei einem zugegeben hohen Kurs von etwa 50 Euro gekauft, den Verlust mag ich mir gar nicht ausrechnen", sagte ein zweiter. Und ein dritter meinte schlicht, die Gewinnausschüttung sei "zu mickrig, das gehört sich nicht".

Drei O-Töne aus einem Chor von Stimmen, die in der am Mittwoch im Wiener Austria Center abgehaltenen Hauptversammlung von Österreichs größtem Stromkonzern zu hören waren. Das Verständnis für die neue Dividendenpolitik des Verbund-Vorstands, der gegen steigende Kosten bei gleichzeitig schrumpfenden Margen kämpft, ist auch anschließend beim Buffet enden wollend.

Ungelohnte Treue

"Treue wird nicht belohnt", sagt ein Herr aus Floridsdorf, der an einem Stehtisch Aufstellung genommen hat und darauf wartet, dass seine Frau mit Kalbsrahmgulasch und Gemüselasagne vom Buffet zurückkommt. "Verdienen tun wir nichts mit den Aktien", sagt er. Sie pflichtet ihm bei, relativiert aber: "Auch auf der Bank gibt's nichts."

Die Kehrtwende bei der Dividende hat der mehrheitlich im Besitz der Republik befindliche Verbund vergangenes Jahr eingeleitet. Statt 50 Prozent sollten fortan nur mehr 30 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Ergebnisses zur Ausschüttung kommen. Das sind bei einem im Vorjahr erzielten Konzernergebnis von bereinigt 325,9 Millionen Euro knapp 100 Millionen Euro oder 29 (2015: 35) Cent je Aktie.

Der Konzern sei jetzt "sicher widerstandsfähiger" als vor Einleitung zum Teil schmerzhafter Maßnahmen, zu denen auch der Abbau von 850 Stellen gehöre. "Es geht um die langfristige Dividendenfähigkeit des Verbunds, das nützt allen Aktionären", sagte der Finanzvorstand des Stromkonzerns, Peter Kollmann.

An der Spitze des Aufsichtsrats macht Gilbert Frizberg, für den die 70. Hauptversammlung zugleich seine letzte als Präsident war, Platz für Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss. Es sei "Zeit für einen Wechsel", sagte Frizberg, der 17 Jahre im Aufsichtsrat war, die letzten zehn als Vorsitzender. Er bedauert, keine Satzungsänderung durchgebracht zu haben. Gemäß geltender Satzung muss immer der ausgewiesene Bilanzgewinn voll ausgeschüttet werden.

Pallawatsch

Das hat erst im Vorjahr zu einem Pallawatsch geführt, weil der Verbund die Dividende für 2015 ursprünglich von 29 auf 30 Cent anheben wollte, wegen befürchteter Klagen dann aber auf 35 Cent je Anteilsschein aufbessern musste. Eine neue Satzung durchzusetzen werde Aufgabe des neuen Aufsichtsratschefs Roiss sein, dem Frizberg viel Erfolg wünschte.

Roiss, den Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) vor sechs Wochen als Frizberg-Nachfolger lanciert hat, freut sich auf seine Aufsichtsaufgaben in einem Unternehmen wie dem Verbund, das so gut wie CO2-frei arbeite.

Neu in den Aufsichtsrat zieht auch Peter Weinelt als Vertreter des 13-Prozent-Aktionärs Wiener Stadtwerke ein, er ersetzt Stadtwerke-Generaldirektor Martin Krajecsir, der erst im Vorjahr in den Aufsichtsrat eingezogen ist. Entgegen der Forderung von Aktionärsvertretern wird der Aufsichtsrat nicht verkleinert, er setzt sich bis auf weiteres aus zehn Kapital- und fünf Belegschaftsvertretern zusammen. (Günther Strobl, 5.4.2017)

  • Gilbert Frizberg, seit 17 Jahren im Aufsichtsrat des Verbund, seit zehn Jahren Präsident des Gremiums, geht ...
    reuters/bader

    Gilbert Frizberg, seit 17 Jahren im Aufsichtsrat des Verbund, seit zehn Jahren Präsident des Gremiums, geht ...

  • ... und übergibt an Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss, der neu ins Gremium einzieht und Präsident wird.
    apa/pfarrhofer

    ... und übergibt an Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss, der neu ins Gremium einzieht und Präsident wird.

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