Dornenkronen: Neue Strategie gegen die Heuschrecken der Meere

5. April 2017, 19:00
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Ganze Korallenriffe fallen den Fressattacken der Seesterne zum Opfer. Eine Strategie gegen die Räuber lautet: chemische Desinformation

Brisbane/Wien – Der Seestern Acanthaster planci scheint biblische Assoziationen geradezu herauszufordern: Die vielen Giftstacheln haben ihm den unschmeichelhaften Beinamen Dornenkrone eingebracht, sein Ruf ist auch nicht wirklich besser. Einer biblischen Plage gleich fallen diese Seesterne zu Tausenden oder gar Millionen über Korallenriffe her und fressen sie binnen kürzester Zeit kahl. Übrig bleiben nur noch die Skelette.

Neben der Korallenbleiche, die durch die zunehmende Meereserwärmung inzwischen dramatische Ausmaße angenommen hat, zählen die Dornenkronen zu den Hauptfaktoren für das Korallensterben. Besonders betroffen ist das Great Barrier Reef in Australien. Seit Jahrzehnten versucht man dort, den Stachelhäutern beizukommen, indem etwa Taucher diese einsammeln oder versuchen, sie mittels Giftinjektionen unschädlich zu machen.

Genomanalysen

Doch die massenhafte Ausbreitung der Seesterne scheint mit solchen Methoden kaum aufhaltbar zu sein. Ein einziges weibliches Exemplar kann pro Laichzeit Millionen von Eiern produzieren. Ein internationales Forscherteam um Bernard Degnan (University of Queensland, Brisbane) weckt nun die Hoffnung auf eine echte Lösung des Problems: Die Wissenschafter sequenzierten das Erbgut von Dornenkronen aus Australien und Japan und fahndeten dabei nach Genen, die an der innerartlichen Kommunikation beteiligt sind.

Wie die Biologen im Fachblatt "Nature" berichten, identifizierten sie dabei 26 Gene, die mit der Freisetzung bestimmter Botenstoffe in Zusammenhang stehen dürften. Zudem fanden sie gleich 750 Gene, die wahrscheinlich an Geruchsrezeptoren beteiligt sind. In einem nächsten Schritt testeten die Forscher dann, welchen Einfluss diese biochemische Kommunikation auf die folgenreichen Massenversammlungen der Dornenkronen hat.

Botenstofftrick

In einem Experiment setzten sie Seesterne in einem labyrinthartigen Wasserkanal aus und beobachteten, wie sie auf die Zugabe unterschiedlicher Wasserproben reagierten. Das Ergebnis: Wurde in einen Bereich des Kanals Wasser gekippt, das aus einem von Seesternen überfallenen Riff stammte, versammelten sich dort auch schnell die stacheligen Probanden. Analysen ergaben, dass im Wasser enthaltene Signalstoffe tatsächlich den zuvor identifizierten Seesterngenen zuzurechnen sind. Versetzten die Forscher das Wasser aber mit Proteinen einer Tritonschnecke, die Seesterne frisst, zogen sich die Dornenkronen weitestmöglich zurück.

Die Forscher hoffen, dass sich auf Basis dieser neuen Erkenntnisse das Aufkommen von Dornenkronen in Korallenriffen gezielt beeinflussen lässt: "Mithilfe der genetischen Grundlagen können wir umweltfreundliche Köder entwickeln, um die Seesterne an einem Ort sammeln und ihre massenhafte Ausbreitung zu verhindern", sagte Degnan. (dare, 5.4.2017)

  • Dornenkronen (erkennbar an ihren spitzen Stacheln) laben sich an Steinkorallen. Die enorme Fruchtbarkeit der gefräßigen Seesterne ist für den Schutz der Korallenriffe ein massives Problem.
    foto: australian institute of marine science

    Dornenkronen (erkennbar an ihren spitzen Stacheln) laben sich an Steinkorallen. Die enorme Fruchtbarkeit der gefräßigen Seesterne ist für den Schutz der Korallenriffe ein massives Problem.

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