Gewerkschaften geben Alitalia mit Streik den Rest

5. April 2017, 17:37
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Banken blockieren die Umschuldung der angeschlagenen Fluglinie ohne Sanierungsplan. Auf den Mailänder Flughäfen herrscht Chaos

Die Gewerkschaften sind unerbittlich. In einem 24-stündigen Streik haben die Alitalia-Beschäftigten am Mittwoch 60 Prozent aller Flüge lahmgelegt. Die Gewerkschaften protestierten gegen den neuen Geschäftsplan für die angeschlagene Airline. Auf den Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate herrschte Chaos. Als wäre das nicht genug, wurden auch die öffentlichen Verkehrsmittel in Mailand bestreikt, als tausende Gäste die weltgrößte Möbelmesse Saloni del Mobile besuchen wollten.

Der Alitalia-Sanierungsplan für die Jahre 2017 bis 2021 sieht den Abbau von rund 2000 Beschäftigten der 12.500 Mitglieder zählenden Mannschaft vor. Auch die Pilotengehälter sollen im Schnitt um 30 Prozent gekürzt werden, um die Kosten bis 2019 insgesamt um eine Milliarde Euro zu kürzen. Der Umsatz soll gleichzeitig von 2,9 auf 3,7 Milliarden Euro erhöht werden. Zudem soll die Flotte für Kurzstreckenflieger um 20 Fahrzeuge reduziert, jene für Mittelstreckenflüge aufgestockt werden.

Auf Kriegsfuß

Aber auch die Gläubigerbanken stehen mit Alitalia auf Kriegsfuß. Sollte der Sanierungsplan nicht umgesetzt werden, wollen die Banken nicht nur weitere Mittelzuflüsse an die Airline verweigern, sondern auch die notwendige Umschuldung nicht vornehmen. Banca Intesa Sanpaolo und die Bank Austria Mutter Unicredit sind beides: Gläubigerbanken und Großaktionäre, gemeinsam halten sie knapp 35 Prozent an Alitalia. Unicredit wird durch ihren Ex-Chef Federico Ghizzoni vertreten.

Nun werden die liquiden Mittel langsam knapp, um den Betrieb fortzusetzen, und – wie so oft in den vergangenen Jahren – wird der Ruf nach Staatshilfe laut. Industrieminister Carlo Calenda hat den 13. April als Endtermin genannt: Entweder finden die Sozialpartner eine Einigung oder Alitalia kommt unter Zwangsverwaltung. Heute, Donnerstag, gehen die Verhandlungen weiter. Die Chancen auf Einigung in letzter Minute sind gering. Alitalia brauche einen großen Partner wie Lufthansa. Lupo Rattazzi, Sohn von Susanna Agnelli und Gründer der kleinen Airline Neos. "Die Frage ist, ob Lufthansa will." (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 6.4.2017)

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