Warum Trump bei China-Strafzöllen auf der Bremse steht

6. April 2017, 12:20
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Die Abhängigkeit der USA von China spricht gegen einen Handelskrieg

Ohne etwas dazu beigetragen zu haben, kann Donald Trump schon einen Handelserfolg verbuchen. Der Importüberschuss im Warenaustausch mit China ist im Februar um mehr als ein Viertel gegenüber Jänner geschrumpft. Weniger erfreulich für den US-Präsidenten: Die Verbesserung ist eine Folge des schwächelnden Konsums in den Vereinigten Staaten. Die Amerikaner halten sich derzeit beim Kauf von Smartphones und anderen Konsumgütern zurück.

Ein Blick auf die Statistik des Vorjahres zeigt, dass China mit einem Exportüberschuss von 347 Milliarden Dollar das mit Abstand größte Loch in die US-Handelsbilanz gerissen hat. Japan folgt mit Respektabstand, sein Überschuss im Handel mit den Vereinigten Staaten macht nicht einmal ein Viertel des chinesischen aus.

Trump hat Peking im Wahlkampf der Währungsmanipulation und Dumpingpreise geziehen. Taten sind entgegen den Ankündigungen bisher nicht gefolgt. Der Präsident lässt vorerst prüfen, welche Produkte und Länder für das Handelsdefizit der USA verantwortlich sind, obwohl die Daten dafür eigentlich auf dem Tisch liegen.

Dass bisher keine konkreteren Maßnahmen gegen China ergriffen wurden – beispielsweise die Verhängung von Strafzöllen in Höhe von 45 Prozent –, hat gute Gründe: Erstens müssten US-Konzerne mit Gegenmaßnahmen rechnen, zweitens finanziert Peking die amerikanischen Schulden. Trump muss sich also gut überlegen, welche Konsequenzen ein Handelskrieg hätte.

Boeings Risiko

US-Marken wie Boeing – der Konzern verkaufte im Vorjahr Flugzeuge um elf Milliarden Dollar an China – würden zumindest teilweise durch andere Produkte wie Airbus-Maschinen ersetzt. Laut der von der Regierung kontrollierten "Global Times" würden auch iPhone-, Auto-, Getreide- oder Sojabohnen-Lieferungen aus den USA Opfer von Retorsionsmaßnahmen, sollte Washington chinesische Einfuhren mit Abgaben belasten. Zur Finanzierung der US-Schulden trägt China mit gut einer Billion Dollar bei. Die Rolle Pekings nimmt seit Monaten ab, weil das Land seine Währung mit dem Verkauf von Dollaranleihen festigen will. Dennoch hat China immer noch ein starkes Druckmittel in der Hand. Ein Ausstieg würde die Finanzierungskosten der USA massiv verteuern. (as, 6.4.2017)

  • Sollten chinesische Fluglinien wie Hainan Airlines Boeing sanktionieren, würde das den US-Konzern massiv treffen.
    foto: afp

    Sollten chinesische Fluglinien wie Hainan Airlines Boeing sanktionieren, würde das den US-Konzern massiv treffen.

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