Studie: Progesteron-Behandlung könnte sexuelle Orientierung des Kindes beeinflussen

    6. April 2017, 06:00
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    Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft mit Progesteron behandelt wurden, neigen einer Studie zufolge vermehrt zu Homo- und Bisexualität

    Das Sexualhormon Progesteron, auch Gelbkörperhormon genannt, wird auf natürliche Weise sowohl vom weiblichen als auch vom männlichen Körper produziert. Schwangere Frauen werden darüber hinaus häufig damit behandelt, um einer Fehlgeburt vorzubeugen.

    Dass sich diese Vorgehensweise möglicherweise auf die sexuelle Orientierung des noch ungeborenen Kindes auswirkt, ist neu. Eine Studie des US-amerikanischen Kinsey-Instituts hat jetzt herausgefunden: Unter jenen Burschen und Mädchen, deren Mütter Progesteron erhalten haben, sind Homo- und Bisexualität vergleichsweise häufig verbreitet.

    Für die Studie untersuchten die Wissenschafter die sexuelle Entwicklung von 34 Däninnen und Dänen, deren Mütter mit Gelbkörperhormon behandelt worden waren. Das Ergebnis wurde in dem Springer-Journal "Archives of Sexual Behavior" veröffentlicht.

    Sexualhormon gegen Fehlgeburt

    Die jeweils 17 Männer und 17 Frauen wurden ausgewählt, da ihre Mütter ausschließlich das Progesteron Lutocyclin erhalten hatten, um einer Fehlgeburt vorzubeugen. Sie wurden mit einer Kontrollgruppe verglichen, deren Mitglieder vor der Geburt keinerlei Hormonbehandlung ausgesetzt waren. Ansonsten stimmten ihre Daten aber mit jenen der Studienteilnehmer in 14 wichtigen physischen, medizinischen und sozioökonomischen Faktoren überein.

    Zu dem Zeitpunkt, als sie über ihre sexuelle Orientierung, Selbstidentifikation und Anziehungskraft durch das andere Geschlecht sowie über ihre bisherigen sexuellen Erfahrungen befragt wurden, waren alle Teilnehmer in den Mittzwanzigern.

    Das konkrete Ergebnis: Männer und Frauen, deren Mütter mit Progesteron behandelt worden waren, beschrieben sich selbst weniger häufig als heterosexuell. Im Gegensatz dazu gab jeder fünfte Teilnehmer aus dieser Gruppe an, eine andere sexuelle Orientierung zu haben.

    In bis zu 24,2 Prozent der Fälle hatten die Befragten bereits sexuelle Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht gesammelt. 29,4 Prozent fühlten sich zum selben Geschlecht hingezogen, 17,6 Prozent zu beiden Geschlechtern. Alle Männer und Frauen hatten außerdem höhere Werte, was die Anziehung zu Männern betraf.

    Progesteron beeinflusst Fötus

    Das Sexualhormon Progesteron ist nicht nur Teil des Menstruationszyklus, sondern spielt auch beim Eintreten der Schwangerschaft eine tragende Rolle. Es ist wichtig für die Entwicklung des Fötus und den positiven Verlauf der Schwangerschaft.

    Beteiligt ist es außerdem an der neuralen Entwicklung, der Produktion anderer Sexualhormone sowie von Steroidhormonen. Letztere sind wiederum für die Regulation von Stresshormonen, Entzündungen und Stoffwechsel mitverantwortlich.

    Mediziner verschreiben häufig Progesteron, um den Befruchtungsprozess zu unterstützen, Fehl- oder Frühgeburten zu verhindern oder das Geburtsgewicht von Neugeborenen zu erhöhen.

    Langzeitwirkung auf Sexualverhalten

    Studienleiterin June Reinisch fasst die Ergebnisse mit folgenden Worten zusammen: "Wir haben herausgefunden, dass Progesteron scheinbar mit einer erhöhten nichtheterosexuellen Selbstidentifikation, einer erhöhten Anziehungskraft zum selben Geschlecht oder zu beiden Geschlechtern sowie mit gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten in Verbindung steht." Sie fügt hinzu: "Das unterstreicht die Wahrscheinlichkeit, dass pränataler Kontakt mit Progesteron eine Langzeitwirkung auf das menschliche Sexualverhalten hat."

    Den Forschern zufolge ist Progesteron ein unterschätzter Faktor, der die Entwicklung der menschlichen Sexualität möglicherweise stärker beeinflusst als bisher angenommen. Sie pochen auf weitere Untersuchungen, um festzustellen, welche Rolle das Hormon bei der Entwicklung menschlichen Verhaltens spielt. (maka, 6.4.2017)

    • Progesteron steht in Verbindung mit einer erhöhten Anziehungskraft zum selben Geschlecht.
      foto: apa/dpa/unbekannt

      Progesteron steht in Verbindung mit einer erhöhten Anziehungskraft zum selben Geschlecht.

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