Flüchtlinge berichten von Misshandlungen auf Westbalkanroute

6. April 2017, 05:30
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Menschenrechtsorganisationen: "Gewalt, Brutalität und unrechtmäßige Behandlung durch Polizisten"

Budapest/Belgrad – Flüchtlinge, die sich über die Westbalkanroute in Richtung Westeuropa auf den Weg machten, berichten über "Gewalt, Brutalität und unrechtmäßiger Behandlung" durch Polizisten. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht "Safe Passage" mehrerer Menschenrechtsorganisationen hervor. Auch gebe es Darstellungen über illegale Sammelausweisungen und fehlende Zugänge zu fairen Asylverfahren.

Der Bericht basiert auf Gesprächen mit 140 Menschen, die in Serbien und Mazedonien Zuflucht suchten. Das "Belgrader Zentrum für Menschenrechte" (BCHR), der Mazedonische Verband junger Anwälte (MYLA) und Oxfam haben sich dabei über die Situation in Serbien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn und Bulgarien informiert.

"Mit Elektroschocks misshandelt"

Ungarische Sicherheitskräfte haben demnach etwa Migranten "gezwungen, sich nackt auszuziehen und in den Schnee zu setzen, während Polizisten kaltes Wasser über sie gossen", wie Oxfam in einer Aussendung mitteilte. Von Gewalt berichtete auch ein aus Afghanistan stammender Mann seitens der bulgarischen Sicherheitskräfte. Er soll "gemeinsam mit anderen Flüchtlingen drei Tage ohne Essen in einer käfigartigen Zelle eingesperrt und mit Elektroschocks misshandelt" worden sein.

Zudem nahmen bulgarische Polizisten den Aussagen zufolge einer Gruppe von Menschen alle Wertsachen samt Schuhen ab, bevor sie die Migranten wieder zurück über die Grenze brachten. Ähnliche Vorfälle habe es auch mit der kroatischen Polizei gegeben, berichtete Oxfam von den Gesprächen.

Einer Gruppe von Migranten mit Kleinkind sagte die serbische Polizei die Unterbringen in einem Erstaufnahme-Zentrum zu. "Stattdessen setzten sie die Menschen mitten in der Nacht bei Minusgraden in einem Waldstück an der Grenze zu Bulgarien aus", heißt es in der Aussendung. Anderen Migranten hätte die serbische Polizei die für die Asylbeantragung notwendigen Gerichtsdokumente vernichtet.

"Sie haben nichts zu verlieren"

Nikolina Milic vom "Belgrader Zentrum für Menschenrechte" zeigte sich laut Aussendung empört über die Ergebnisse der Untersuchung: "Diese brutalen und illegalen Maßnahmen hindern die schutzsuchenden Menschen nicht daran, weiter Zuflucht in Europa zu suchen. Sie berichten uns, dass sie es wieder und wieder versuchen werden, egal wie gefährlich der Grenzübertritt ist, denn sie haben nichts zu verlieren."

Die Menschenrechtsorganisationen fordern die betroffenen Länder auf, "die Verletzung der Rechte schutzsuchender Menschen sofort zu beenden und dafür zu sorgen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden". Die Europäische Union sei zudem verantwortlich, "dass völkerrechtliche und menschenrechtliche Verpflichtungen und Standards in Europa eingehalten werden". (APA, 6.4.2017)

  • Der Zaun an der türkisch-bulgarischen Grenze. Auch gegen bulgarische Beamte gibt es Misshandlungsvorwürfe.
    foto: afp/nikolay doychinov

    Der Zaun an der türkisch-bulgarischen Grenze. Auch gegen bulgarische Beamte gibt es Misshandlungsvorwürfe.

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