Vorübergehende Gefangennahme soll Mexikos Mini-Wale retten

5. April 2017, 17:16
7 Postings

Die mexikanische Regierung greift zu einer verzweifelten Maßnahme, um die Vaquitas vor dem Aussterben zu bewahren

foto: apa/afp/sea shepherd conservation society
Dieses totgeborene Vaquita-Kalb wurde an der Playa Hermosa im Golf von Kalifornien angespült. Bei einer so stark vom Aussterben bedrohten Spezies kommt jeder einzelne Verlust einer Katastrophe gleich.

Mexiko-Stadt – Der auch Vaquita genannte Kalifornische Schweinswal (Phocoena sinus) teilt sich mit einer Delfin- und einer Flussdelfinart den Titel kleinster Wal der Welt: Ganze eineinhalb Meter werden die nur im Golf von Kalifornien vorkommenden Tiere lang.

Leider gehört er mittlerweile auch zu den bedrohtesten Arten: In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Bestand vom dreistelligen in den zweistelligen Bereich gerutscht. Wissenschaftern zufolge gibt es heute nur noch etwa 30 Vaquitas. Bereits im Jahr 2022 könnte die Spezies vollständig ausgerottet sein.

Bedroht wird er vor allem durch den illegalen Fischfang. Meist sind die Fischer mit ihren Stell- oder Treibnetzen auf der Jagd nach einem anderen Tier, das ebenfalls als gefährdet gilt – dem Fisch Totoaba. Die Vaquitas verenden als Beifang in den Netzen.

Notfallplan mit Unwägbarkeiten

Jetzt versucht Mexikos Regierung mit einem umstrittenem Vorhaben, die letzten Exemplare zu retten. Das mexikanische Umweltministerium kündigte einen "ambitionierten Notfallplan" an, für den umgerechnet 2,8 Millionen Euro bereitgestellt werden sollen. Einige der Tiere sollen demnach "vorübergehend" in Gefangenschaft genommen werden.

Sie sollen "zu einem Zufluchtsort gebracht werden, wo sie sich ohne das Risiko, in Fischernetzen zu landen, fortpflanzen können", teilte das Umweltministerium mit. An dem Plan sollen auch mehrere Umweltschutzorganisationen beteiligt werden.

Von Tierschützern kommen allerdings auch Bedenken: Der Vaquita sei kein Tier, das sich in Gefangenschaft wohlfühlen könne, lautet ein Argument. Auch das Umweltministerium selbst räumte ein, dass es "Unsicherheit" darüber gebe, wie sich die Tiere bei der Suche nach ihnen, der Gefangennahme und anschließenden Umsiedlung verhalten würden – der Stress könnte sie dem Tod schlimmstenfalls noch näher bringen. (APA, red, 5. 4. 2017)

Share if you care.