Bundesländer im Wohnbau-Klimacheck: "Noch viel zu tun"

    5. April 2017, 13:54
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    Global 2000 untersuchte die Wohnbaupolitik der Länder nach Klima-Kriterien – Fazit: Mancherorts bedürfe es "deutlich stärkerer Kurskorrekturen"

    Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat in einer aktuellen Studie die Wohnbaupolitik der Bundesländer bewertet und verglich diese mit Benchmarks einer ambitionierten Klimapolitik. Das Ergebnis in aller Kürze und Drastik: "Derzeit erfüllt kein Bundesland die Anforderungen an ambitioniertem Klimaschutz", meint Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000.

    Man könne also sicher keines der neun Bundesländer einen "Klimaschutzpionier" nennen; Wien, Vorarlberg, die Steiermark und Niederösterreich befänden sich aber in einer "Verfolgergruppe". In Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Tirol und im Burgenland gehe die Energiewende im Raumwärmebereich aber langsamer voran, als dies möglich und auch notwendig wäre. Dort bedürfe es "deutlich stärkerer Kurskorrekturen, um auf Klimakurs zu kommen", so Wahlmüller.

    "Noch viel zu tun"

    Ganz allgemein seien im Gebäudebereich bereits wichtige Fortschritte erzielt worden, es sei aber auch noch viel zu tun gibt, um die heimischen Klimaziele zu erreichen. "Eine gesetzliche Regelung, die sicherstellt, dass keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden, und mehr Mittel für thermische Sanierung sind jetzt die zwei vordringlichsten Maßnahmen, die in allen Bundesländern die Energiewende vorantreiben können", so Wahlmüller weiter. Erst letztes Jahr habe das Umweltministerium ein Rechtsgutachten erstellen lassen, das zeigte, dass ein gesetzliches Verbot beim Einbau von neuen Ölheizungen rechtlich in Österreich möglich wäre.

    Im Detail untersuchte Global 2000 die Fortschritte beim Ausstieg aus fossiler Energie, wobei Öl und Gas gesondert betrachtet wurden, und bei der Steigerung der Gebäudeeffizienz. In allen drei Bereichen wurden insgesamt neun Bewertungskriterien definiert. Diese leiteten sich aus Energiestudien ab, die die Erreichung langfristiger Klimaziele zum Inhalt haben, aus der Energiestrategie Österreich, mit einem Zeithorizont bis 2020, und aus den Energiestrategien der Bundesländer selbst. Es waren dabei deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern in allen drei Themenbereichen sichtbar, heißt es in einer Pressemitteilung.

    622.000 Haushalte heizten 2014 noch mit Öl

    Im Jahr 2014 heizten demnach noch 622.000 Haushalte in Österreich mit Öl. In den letzten zehn Jahren sei der Bestand um 35 Prozent zurückgegangen, wobei sich die Bundesländer aber stark unterschieden hätten. Wien (-74 %), das Burgenland (-46 %) und die Steiermark (-42 %) konnten laut Global 2000 den stärksten Rückgang verzeichnen, Oberösterreich (-35 %), Salzburg (-34 %) und Vorarlberg (-34 %) lagen im Bundes-Durchschnitt.

    Geringere Reduktionen konnten hingegen Kärnten (-29 %), Niederösterreich (-27 %) und Tirol (-25 %) verbuchen. "Ein rascher Ausstieg aus Öl ist sowohl rechtlich, wirtschaftlich als auch technisch möglich. Niederösterreich ist das erste Bundesland, das ab 2019 im Neubau keine Ölheizungen mehr erlaubt. Auch hier sind ergänzende Regelungen für die Heizungssanierung noch notwendig. Es gilt aber jetzt in allen Bundesländern den Öl-Ausstieg rechtlich zu fixieren", erklärt Wahlmüller.

    Weniger optimistisch ist Wahlmüller beim Thema Erdgas. 887.000 Haushalte heizten 2014 mit Gas. In den letzten zehn Jahren sei der Anteil von 25 Prozent auf lediglich 24 Prozent gefallen. In drei Bundesländern, nämlich Steiermark, Burgenland und Tirol, sei der Anteil der Gasheizungen sogar gestiegen. "In den nächsten 20 Jahren sollte auch der Ausstieg aus Erdgas im Raumwärmebereich weit fortgeschritten sein. Hier sind in einigen Bundesländern noch deutliche Kurskorrekturen notwendig", sagt Wahlmüller.

    Er schlägt vor, dass im Neubau keine neuen Gasheizungen mehr zugelassen werden. Generell sollten Gasheizungen nicht länger gefördert werden. "Nur Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg setzen das bereits konsequent um – das sollte auch in den anderen Bundesländern jetzt umgesetzt werden."

    "Alarmierende" Sanierungsrate

    Richtig alarmierend sieht Wahlmüller nicht zuletzt den Bereich der Gebäudesanierung. Hier würden alle Bundesländer durchwegs schlecht abschneiden. "Wurde im Jahr 2010 noch ein Prozent der Gebäude in Österreich pro Jahr einer umfassenden thermischen Sanierung unterzogen, sind es derzeit nur noch 0,5 Prozent." Das Ziel der Energiestrategie Österreich sei aber eine Steigerung auf drei Prozent.

    Kein Bundesland konnte in dieser Kategorie punkten, wobei die Schlusslichter – wie jüngst bereits berichtet – das Burgenland (0,2 %), Wien (0,2 %) und Salzburg (0,0 %) bilden.

    Wien gebe bundesweit pro Kopf am meisten für Gebäudesanierung aus, das Land verfolge aber offenbar damit auch andere Schwerpunkte als die energetische Gebäudesanierung. "Statt die Anzahl der Gebäudesanierungen pro Jahr zu verdreifachen, wurde sie halbiert, das ist ein deutliches Alarmsignal."

    Insbesondere in Salzburg sei auch eine vertiefende Analyse des drastischen Einbruchs notwendig. "Es braucht jetzt deutlich mehr Anstrengungen in allen Bundesländern, auch in Wien ist Handlungsbedarf. Hier wird vergleichsweise viel Geld für die Gebäudesanierung ausgegeben, aber die Möglichkeit von thermisch-energetischen Sanierungen sollte noch viel stärker mitgedacht werden", so Wahlmüller. (red, 5.4.2017)

    • Nur 0,5 Prozent der Gebäude in Österreich werden im Jahr einer umfassenden thermischen Sanierung unterzogen.
      foto: zoidl

      Nur 0,5 Prozent der Gebäude in Österreich werden im Jahr einer umfassenden thermischen Sanierung unterzogen.

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