WWW-Erfinder Berners-Lee "schockiert" über US-Netzpolitik

    5. April 2017, 09:55
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    Tim Berners-Lee kritisiert bei Dankesrede zum Erhalt des Turing-Preises britische und US-Politiker scharf

    WWW-Erfinder Tim Berners-Lee hat sich bei einer Rede zum Erhalt des Turing-Preises, der als "Nobelpreis" der IT bezeichnet wird, "schockiert" über die aktuellen netzpolitischen Initiativen der US-Politik gezeigt. Er kritisierte die Rücknahme von Regeln für mehr Datenschutz durch Kongress und US-Präsident Donald Trump. Datenschutz sei "so wichtig wie das Vertrauen zwischen einem Arzt und dessen Patienten", erklärte Berners-Lee. Dass man Webseiten besuchen könne, ohne ausgespäht zu sein, sei "sehr, sehr wichtig".

    "Sehr verlockend"

    Berners-Lee warnte davor, die Netzneutralität auszuhebeln. Die US-Telekombehörde FCC steht unter Druck, Regeln zum Schutz der Gleichbehandlung von Daten zu kippen. Außerdem planen Regierungspolitiker in den USA und Großbritannien erneut Angriffe auf Verschlüsselungsmechanismen. Die britische Innenministerin Amber Rudd forderte nach dem Terroranschlag in London etwa Zugriff auf verschlüsselte WhatsApp-Chats. Berners-Lee gab an, zu verstehen, dass es "sehr verlockend" sei, Verschlüsselung außer Kraft zu treten. Allerdings könnten dann auch andere auf diese Daten zugreifen – "und das vielleicht sogar besser", so Bernes-Lee.

    Einmal mehr ging die IT-Koryphäe auch auf die Verbreitung von Fake-News im Netz ein. Er forderte IT-Konzerne auf, mehr gegen Falschmeldungen zu unternehmen. Soziale Medien müssten überlegen, warum sich Fake-News so rasant auf ihren Seiten verbreiteten. (red, 5.4.2017)

    • Berners-Lee vor dem Erhalt des Turing-Preises
      foto: ap/krupa

      Berners-Lee vor dem Erhalt des Turing-Preises

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