Proteste nach Wahlsieg von Vučić in Serbien weiten sich aus

5. April 2017, 05:56
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Tausende demonstrieren gegen Regierungschef und künftigen Präsidenten

Belgrad – Nach dem Sieg von Serbiens bisherigem Regierungschef Aleksandar Vučić bei der Präsidentschaftswahl haben sich die Proteste gegen ihn ausgeweitet. Tausende Demonstranten, zumeist junge Menschen, versammelten sich am Dienstagabend in mehreren serbischen Städten zu Protesten.

"Vučić, du Dieb, du hast die Wahlen gestohlen", riefen tausende Demonstranten, die durch das Zentrum der Hauptstadt Belgrad zogen. Sie hielten Transparente mit Parolen wie "Du bist nicht mein Präsident" in die Höhe und verliehen ihrem Protest mit Trommeln und Trillerpfeifen lautstark Ausdruck.

Auch in den zweit- und drittgrößten Städten des Landes, Novi Sad im Norden und Niš im Süden, sowie in weiteren Orten fanden nach Angaben lokaler Medien Demonstrationen gegen Vučić statt. Die Proteste wurden nach Angaben von Teilnehmern über das Online-Netzwerk Facebook organisiert. Am Montagabend hatten sich in Belgrad, Novi Sad und Niš mehrere hundert Menschen an Demonstrationen gegen den künftigen Staatschef beteiligt.

Opposition kritisiert

Bereits in der ersten Runde am Sonntag hatte Vučić die Präsidentschaftswahl mit 55 Prozent der Stimmen gewonnen, die übrigen zehn Kandidaten landeten weit abgeschlagen hinter ihm. Vučić soll sein neues Amt Ende Mai antreten. Die Opposition kritisierte die Wahl angesichts von Vučićs allgegenwärtiger Präsenz in den Medien als unfair. Außerdem seien Wähler eingeschüchtert und bedroht worden.

Am Montag erklärte Vučić, jeder habe "ein Recht, unglücklich mit dem Wahlausgang zu sein". "Es ist in Ordnung, solange es friedlich ist", fügte er hinzu. Sein Wahlsieg war von zahlreichen europäischen Politikern als Stärkung des pro-europäischen Kurses begrüßt worden. "Stabiler Balkan und prosperierendes Serbien ist im Interesse Europas und Österreichs", schrieb etwa Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) auf Twitter.

Vučić gehört der konservativ-wirtschaftsliberalen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) an und führt die Regierung seit 2014. Er will Serbien in die EU führen und zugleich gute Beziehungen zu Russland unterhalten. Beobachter gehen davon aus, dass Vučić nach seinem Wahlsieg die Rolle des Präsidenten stärken und einen treuen Gefolgsmann als Regierungschef einsetzen wird. (APA, 5.4.2017)

  • Proteste in Belgrad
    foto: ap/vojinovic

    Proteste in Belgrad

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