Fersensporn: Wenn jeder Schritt zur Qual wird

9. April 2017, 12:00
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Der Fersensporn ist das extrem schmerzhafte Resultat jahrelanger Fehlbelastungen – die Heilung braucht vor allem eines: viel Zeit. Ein Erfahrungsbericht

Bei einem gemütlichen Spaziergang im Urlaub vor mehr als einem Jahr passierte es: Meine Mama, fit und noch keine 60, blieb plötzlich stehen. Zuvor war sie schon immer weiter zurückgefallen – eine Tatsache, die sie auf falsches Schuhwerk schob. Schnell stellte sich aber heraus: Ihre Fußsohlen schmerzten höllisch und fühlten sich, so war ihr Eindruck, ganz heiß und ein wenig geschwollen an. Vielleicht ein Sonnenbrand auf den Fußsohlen vom Liegen am Strand? Irgendwie schafften wir es zurück ins Hotel, wo nach etwas Erholung die stechenden Schmerzen wieder verschwanden – nur um beim Gehen wieder aufzuflammen.

Nach dem Urlaub wurden erst einmal so ziemlich alle Hausmittelchen durchprobiert: Topfenwickel, Fußbäder, Aloe-Vera-Umschläge, Eispackungen. Nichts brachte Linderung. Irgendwann waren die stechenden Schmerzen auf der gesamten Fußsohle schon bei kurzen Fußwegen so groß, dass meine Mama überall mit dem Auto hinfuhr. Am schlimmsten, so erzählt sie, waren die Schmerzen immer in der Früh.

Jahrelanger Ärztemarathon

Der Hausarzt schickte sie zum Röntgen. Schließlich kam die Diagnose: Beidseitiger Fersensporn an Plantar- und Achillessehne. Was im Urlaub also scheinbar plötzlich akut wurde, war laut Arzt das Resultat jahrelanger Fehlbelastung. Dadurch, erfuhren wir, hatten sich kleine Risse am Sehnenansatz gebildet, die vom Körper mit Kalkeinlagerungen repariert wurden. Irgendwann drücken diese dann auf das Bindegewebe und entzünden sich: Das ist für viele der Beginn eines jahrelangen Marathons durch Arztpraxen.

In ihrem Freundes- und Bekanntenkreis fand meine Mama plötzlich viele, die auch schon einmal einen Fersensporn gehabt haben: Da war die ambitionierte Hobby-Läuferin, die plötzlich nicht mehr gehen konnte. Die Ärztin, die sich trotz Schmerzen zu einer Bergwanderung überreden ließ – und dann auf einer Alm keinen Schritt mehr weitergehen konnte. Die Bekannte einer Bekannten, die sich mit ihrem Fersensporn sogar unters Messer legte – und der die Operation trotzdem nicht half.

Viele Behandlungsmethoden

Tipps hatten sie alle parat: Manche schworen auf Injektionen schmerzstillender Mittel oder Stoßwellentherapie, bei der die Kalkablagerungen zertrümmert werden. Auch Röntgenstrahlen werden zur Behandlung eingesetzt. Viele entscheiden sich auch für Physiotherapie oder Osteopathie, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Nicht alles, was empfohlen wurde, war schulmedizinisch abgesichert: Da gab es auch einen Bekannten, der auf die Wirkung von Murmeltiersalbe schwor. "Schade um das Murmeltier", sagt meine Mama heute.

Ausprobiert hat sie vieles. Sie ließ sich Einlagen verschreiben, ging zur Massage und kaufte sich statt der Murmeltier- lieber eine Rhododendronsalbe, die ihr ihre Apothekerin ans Herz legte. Sie probierte es sogar mit Homöopathie – und trug plötzlich gern hohe Schuhe, weil sie damit weniger Schmerzen hatte.

Was ihr alle Leidensgenossen sagten: Die Heilung braucht viel Zeit und Geduld – bei manchen dauert dieser Prozess Jahre. Eine solche Aussicht kann ziemlich entmutigend sein, weil ständiger Schmerz das ganze Leben beeinträchtigt: "Bei mir hat der Fersensporn alles dominiert", sagt meine Mama, eine Lehrerin, heute und erzählt von einem Ausflug nach Wien mit ihrer Schulklasse, bei dem sie am Kopfsteinpflaster des ersten Bezirkes am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre, weil auch die stärksten Schmerztabletten nicht halfen.

Neue Lebensqualität

Am Ende behielten ihre Bekannten aber Recht: Nach gut einem halben Jahr wurden die Schmerzen tatsächlich nach und nach weniger. Plötzlich konnten kleine Strecken ganz vorsichtig wieder zu Fuß zurückgelegt werden und das Auto blieb wieder in der Garage. Irgendwann war der Schmerz dann weg. Nun musste nicht mehr jeder Schritt zweimal überlegt werden.

Für meine Mama der Inbegriff wiederentdeckter Lebensqualität. Was bleibt? "Das Bewusstsein, dass es einfach schön ist, schmerzfrei gehen zu können." Und das Wissen, dass gute Schuhe mit einem richtigen Fußbett einen riesigen Unterschied machen können. Die Einlagen verwendet sie weiterhin für längere Fußmärsche und beim Laufen, das seit einigen Monaten wieder möglich ist. Manchmal, wenn es trotzdem plötzlich im Fuß zwickt, dann wird sie wieder nervös. Ihre Salbe liegt immer griffbereit. (zof, 9.4.2017)

Blog: Gesunde Geschichten

Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gerne gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher, sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • Ein Fersensporn meldet sich bei vielen Betroffenen mit stechenden Schmerzen in Fußsohle oder Ferse.

    Ein Fersensporn meldet sich bei vielen Betroffenen mit stechenden Schmerzen in Fußsohle oder Ferse.

  • Franziska Zoidl ist Journalistin und Freizeitsportlerin. Manchmal tut ihr oder einem Menschen aus ihrem Umfeld aber die Bewegung weh – dann schreibt sie darüber.

    Franziska Zoidl ist Journalistin und Freizeitsportlerin. Manchmal tut ihr oder einem Menschen aus ihrem Umfeld aber die Bewegung weh – dann schreibt sie darüber.

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