Frühjahrsputz: Supersauber vs. Anlassputz?

Kolumne10. April 2017, 10:30
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Von regelmäßigem Putzen ist abzuraten oder Grundsatzentscheidung für gründliche Lebensführung

foto: getty images / istock / fotoduets

Pro
von Siegfried Lützow

"Sau, sau, sauber!" Es bedarf gar nicht dieser aktuellen Ermunterung durch die Stadt Wien, sich dem Frühjahrsputz zu widmen. Supersauber ist ja schön und gut, aber so, wie pro Jahr nur einmal Weihnachten ist, so soll man sich auch nur einmal pro Jahr den Spaß machen, gründlich zu putzen.

Das Frühjahr bietet sich aus unterschiedlichen Gründen dafür an, ist aber nicht alternativlos. Ein Sommerputz, der Hitze wegen vielleicht nur mit einem Schürzchen angetan, hat durchaus Reize. Im Herbst und im Winter lässt man den Dreck allerdings besser zusammenkommen, sonst winkt der gute, alte Sisyphos.

Von regelmäßigem Putzen ist abzuraten, zumal der täglich anfallende Schmutz mehr ein optisches als ein hygienisches Problem ist. Wer reinigt, entfernt zumeist nichts, sondern verteilt nur anders.

Mit der überwiegenden Zahl der Allerweltskeime lässt es sich vortrefflich leben, Staub ist ungefährlich, solange er nicht regelmäßig aufgewirbelt wird, Milben wirken nur unter dem Mikroskop ekelhaft, und vom Boden essen wollte ernsthaft noch nie ein Gast.

Kontra
von Doris Priesching

Seltsam ist das: In der Öffentlichkeit übers Putzen zu reden schickt sich nicht. Reinlichkeit ist ein hohes Gut, aber dass es dazu den Akt des Säuberns braucht, wird entweder unter den Tisch gekehrt oder trickreich glorifiziert. "Putzen ist wie Meditieren", heißt es dann. Abschalten, loslassen, sich den Dingen hingeben, das Frühjahr als Zeit des Entgiftens – echt jetzt? Dächte ich in solchen Bahnen des Irrsinns, ich müsste mir spätestens jetzt Sorgen um mich machen.

Also reden wir darüber: Sauberkeit ist keine Sache, die sich einmal im Jahr lösen lässt. Für mich als Befürworterin des "Anlassputzens" ist es eher eine Frage der gründlichen Lebensführung, wann, was und wo man putzt.

Um nichts Geringeres als um eine Grundsatzentscheidung geht es hier. Denn das Putzen, Freunde, verweist auf das große Ganze. Schließlich geht es im Leben auch darum, nicht zu viel Dreck anzusammeln. Wir reden von Körperwäsche, Psychohygiene, Anstand und Moral. Den eigenen vier Wänden sollte man ebensolche Sorgfalt angedeihen lassen. Was das ist? Glasklar wie unsichtbar. (RONDO, 7.4.2017)

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