Spenden gegen den "NGO-Wahnsinn"

Userkommentar5. April 2017, 11:31
173 Postings

Wie kann ich meine geliebte Xenophobie behalten und trotzdem Gutes tun? Eine Anleitung in einem Schritt

Erstens: Spenden Sie Geld an eine NGO. Aber aufpassen: nicht an irgendeine! Denn wenn Sie beispielsweise an Ärzte ohne Grenzen spenden, führen diese womöglich den von Außenminister Sebastian Kurz kürzlich kritisierten "NGO-Wahnsinn" fort. Das hieße, dass diese Organisationen weiterhin verzweifelte Menschen, deren letzter Funken Hoffnung sich Europa nennt, retten, und zwar bevor deren Nussschalen mitsamt all den Wünschen und Träumen der Insassen in den weiten Fluten verschwinden. Das hieße aber auch, dass dann noch mehr flüchtende Menschen nach Europa kommen würden, da sie ja eh mit hundertprozentiger Sicherheit von unserem NGO-Begrüßungskomitee aus dem azurfarbenen Sprudelbad gefischt werden würden. Und das wollen Sie, verehrter Leser, verständlicherweise nicht. Schließlich gilt: Schotten dicht! Wir haben selbst bereits genug Probleme auf unserem Dampfer. Nicht dass unser havarierter Luxusliner noch vollends untergeht.

Würfelspaß

Um das Dilemma zu lösen, möchte ich Ihnen nun folgenden Vorschlag unterbreiten: Spenden Sie lieber etwas Geld an NGOs, die in den sogenannten Entwicklungsländern tätig sind und sich dort um Armutsbekämpfung, Demokratieförderung oder friedensfördernde Maßnahmen bemühen. Falls Ihnen diese Tätigkeitsfelder nicht so geheuer sind, könnten Sie sich alternativ auch für eine gerechtere globale Wirtschaftsordnung einsetzten, weil "Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut".

Um den genauen Betrag zu ermitteln, könnten Sie ja einmal pro Woche würfeln und das Ganze dann aufsummieren. Der Würfelspaß würde sich dann mit durchschnittlich 14 Euro pro Monat zu Buche schlagen, was etwas preisgünstiger als ein Wiener Schnitzel vom Kalb in Plachuttas Gasthaus zur Oper ist, welches um 19,70 Euro zu haben ist.

Statt Schlauchboot-Tickets

Eine derartige Praktik kann für Sie, werter Leser, im Grunde nur von Vorteil sein. Im besten Fall hilft Ihr Zaster an Ort und Stelle strukturelle Konfliktursachen zu beseitigen, wodurch sich weniger Menschen dazu veranlasst sehen, ihr Hab und Gut für ein Schlauchboot-Ticket zu verscherbeln. Dieses Szenario wäre gut für Sie und Ihre Gesundheit. Sie müssten sich dann Gott sei Dank nicht mehr so oft über Wirtschaftsflüchtlinge in unserem Lande und die dazugehörigen Willkommensklatscher ärgern.

Im schlimmsten Fall würde die Entwicklungshilfe neokoloniale Facetten besitzen, was zur Folge hätte, dass alte Abhängigkeiten lediglich durch neue ersetzt und wir weiterhin den Rahmen der Errungenschaften westlicher Zivilisation rund um völlig unterschiedliche Lebenswirklichkeiten zimmern würden. Aber: Hand aufs Herz! Wen kümmert das schon? Wenn es hilft, dass nicht mehr alle zu uns kommen, dann umso besser.

Wenn Sie diese Anleitung in die Tat umgesetzt haben, dann haben Sie den steinigen Weg zum xenophoben Weltverbesserer erfolgreich gemeistert. Der Autor dieser Zeilen gratuliert Ihnen ganz herzlich. Glückwunsch! (Peter Enzenhofer, 5.4.2017)

  • Rettungsaktion der Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) im Mittelmeer im Mai 2016.
    foto: afp/gabriel bouys

    Rettungsaktion der Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) im Mittelmeer im Mai 2016.

    Share if you care.