Forscher berechnen die beinahe unendliche Vielfalt von Blüten

14. April 2017, 16:18
posten

Auch artenarme Pflanzenfamilien können vielfältige Blüten entwickeln, wie nun Biologen der Uni Wien nachgewiesen haben

Wien – Wie unterschiedlich die Blüten der Mitglieder einer Pflanzenfamilie aussehen, hängt offenbar nicht damit zusammen, wie umfangreich die jeweiligen taxonomischen Familien sind, denen sie angehören. Im Rahmen einer Studie von Botanikern der Uni Wien zeigte sich, dass eine relativ kleine Untergruppe der Ordnung Ericales die größte Formenvielfalt hervorbrachte. Über ihre mathematischen Analysen berichten die Forscher im Fachblatt "Proceedings of Royal Society B".

"Schreckliches Rätsel"

Blütenpflanzen gibt es in einer schier unüberblickbaren Vielfalt. Mit mehr als 250.000 Arten bilden sie die größte Pflanzengruppe. Wie die Blütenpflanzen im Laufe der Evolution so erfolgreich werden konnten und wie es zu diesem Reichtum an Formen und Farben kam, ist jedoch noch nicht hinreichend geklärt. Schon Charles Darwin stand in dem Zusammenhang vor einem "schrecklichen Rätsel". In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt haben sich Wiener Botaniker nun rechnerisch auf die Spur dieses Rätsels begeben.

"Um die Diversität der Blüten besser analysieren und verstehen zu können, haben wir deren Formenvielfalt mit Hilfe mathematisch-statistischer Methoden – sogenannter morphospace-Analysen – erfasst. Das erlaubte uns, die Blüten verschiedener Verwandtschaftsgruppen quantitativ miteinander zu vergleichen", so Marion Chartier vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung. Die Wissenschafter konzentrierten sich dabei auf die Ordnung der Ericales.

Vom Fleischfresser bis zum Ebenholz

Zu ihnen gehören unter anderem die fleischfressenden Schlauchpflanzengewächse, aber auch völlig andere Gewächse wie Primeln, Rhododendren, Kiwi, Kamelien (Tee), Kaki, Ebenholz und viele mehr. "Wir mussten uns auf eine bestimmte Verwandtschaftsgruppe beschränken – nämlich die Ordnung, mit der wir uns in meiner Forschungsgruppe bereits seit mehreren Jahren beschäftigen", so Projektleiter Jürg Schönenberger.

Um die Untersuchung durchzuführen, musste das Team erst bei einer Vielzahl an Blüten Merkmale wie Größe oder Zahl und Anordnung der Blütenorgane erfassen. Mit dem so erstellten Datensatz wurde die Formvielfalt der Blüten dieser Gruppe erstmals quantitativ und somit objektiv analysiert. "So konnten wir unter anderem zeigen, dass artenreichere Familien zwar häufig, aber nicht immer eine größere Formenvielfalt als relativ artenarme Familien hervorgebracht haben. In unserer Untersuchungsgruppe zeigt die mit nur etwa 340 Arten relativ kleine Familie der sogenannten Topfnussgewächse, zu der auch der Paranuss- und der Kanonenkugelbaum gehören, die größte morphologische Diversität der Blüten aller 22 Familien der Ericales", erklärte Chartier. (APA, 14.4.2017)

  • Die bis zu zehn Zentimeter großen Blüten des Kanonenkugelbaumes (Couroupita guianensis) heimisch in Südamerika, aus der Familie der Paranussgewächse (Lecythidaceae), werden von großen, tropischen Holzbienen bestäubt.
    foto: jürg schönenberger

    Die bis zu zehn Zentimeter großen Blüten des Kanonenkugelbaumes (Couroupita guianensis) heimisch in Südamerika, aus der Familie der Paranussgewächse (Lecythidaceae), werden von großen, tropischen Holzbienen bestäubt.

  • Die kompliziert gebaute Blüte der Gelben Schlauchpflanze (Sarracenia flava), ist in Nordamerika zu finden und zählt zur Familie der karnivoren Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae).
    foto: ralf buchner

    Die kompliziert gebaute Blüte der Gelben Schlauchpflanze (Sarracenia flava), ist in Nordamerika zu finden und zählt zur Familie der karnivoren Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae).

    Share if you care.