Wie Vieraugen ihre vier Augen ausbilden

6. April 2017, 08:30
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Brasilianische Zoologen rekonstruieren erstmals die einzigartigen Sehorgane einer südamerikanischen Fischgattung, die über und unter Wasser scharf sieht

tiermotive.de
Die obere Hälfte des Auges von Anableps ragt über die Wasseroberfläche hinaus und sieht an der Luft scharf, die untere Hälfte im Wasser.

Belém – Vieraugen sind eine Gattung von Zahnkarpfen, die in Küstengewässern im nördlichen Südamerika und in Mittelamerika leben. Wie ihr Name schon sagt, verfügen die Fische über eine anatomische Besonderheit: Eine Scheidewand teilt ihre Augen in zwei Hälften mit je einer Pupille, mit denen die an der Wasseroberfläche schwimmenden Tiere gleichzeitig über und unter Wasser sehen können – und zwar jeweils scharf.

Brasilianische Zoologen um Louise Perez haben in den "Proceedings B" der Royal Society die Entwicklung dieser Doppelaugen bei der Vieraugenspezies Anableps anableps nun erstmals entwicklungsbiologisch rekonstruiert: Zunächst konnten die Forscher zeigen, wie die Verdopplung des Auges im Laufe von sechs verschiedenen Larvenstadien passiert, zudem identifizierten sie entsprechende neuroanatomische Veränderungen im Schädel des Fisches.

Schließlich fanden sie Hinweise darauf, wie die genetischen Voraussetzungen für die verschiedenen Photorezeptoren bereits während der Entwicklung geschaffen werden (die Fische besitzen zehn Opsin-Arten, der Mensch hingegen nur vier). Das wiederum deutet darauf hin, dass dieser Ablauf genetisch gesteuert und nicht durch die Umwelt bestimmt wird. (tasch, 6.4.2017)

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