Kreativ und risikofreudig ist nicht genug

    9. April 2017, 10:07
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    Zorica Zagorac-Uremovic untersucht die Denkstile von Unternehmensgründern

    Vaduz – Viel wurde in der Businessliteratur schon in die erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit hineininterpretiert: dass dafür ein besonderer Charakter ausschlaggebend sei. Dass man dafür eine genetische Veranlagung brauche. Dass man besonders kreativ und risikofreudig sein müsse, um innovative Geschäftsideen zu spinnen. Zorica Zagorac-Uremovic haben diese Ansätze seit jeher eher stutzig gemacht.

    Die Vorarlbergerin, die 1989 mit ihrer Familie aus Bosnien-Herzegowina nach Österreich kam, hat ihre eigene Hypothese. "Es ist die kognitive Flexibilität, die für das Erkennen von innovativen Geschäftsgelegenheiten notwendig ist." Die 33-Jährige hat in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet und erkannt, dass erst die kognitiven Ressourcen von Menschen Innovation und Unternehmenserfolg ermöglichen.

    Im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Liechtenstein hat sie nun ihre These näher erforscht und die Denkstile dutzender erfolgreicher Unternehmensgründer analysiert. Zum einen in Tiefeninterviews, zum anderen mit psychologischen Diagnoseinstrumenten. Wie ticken Menschen, die eine Geschäftsgelegenheit nicht nur erkennen, sondern diese auch weiterentwickeln – bis hin zum erfolgreichen Start-up? "Die Ergebnisse sind für angehende Gründer oder weniger innovative Unternehmer sehr ermutigend", sagt Zagorac-Uremovic.

    Denn entgegen dem Klischee ist das Erkennen innovativer Geschäftsgelegenheiten nicht nur den Kreativen und Risikofreudigen vorbehalten. Im Gegenteil: "Wer nur kreativ denkt und zu risikofreudig ist, hat ein Problem." In den psychologischen Tests zeigte sich, dass die Erfolgreichen neben dem kreativen Denken, das man in der Kognitionspsychologie auch "divergentes", offenes und ideengenerierendes Denken nennt, auch noch einen anderen Denkstil gut beherrschen: das logisch schlussfolgernde Denken, auch konvergentes Denken genannt.

    Zwar gilt der konvergente Denkstil in der Gründerszene gemeinhin eher als "unsexy". Jedoch hat die Studie gezeigt, dass für das Erkennen innovativer Geschäftsgelegenheiten beide Denkstile notwendig sind: "Die Erfolgreichen verstehen, flexibel zwischen beiden Stilen hin und her zu switchen." So kann durch das logisch-schlussfolgernde Verstehen von neuen Technologien und Marktzusammenhängen der Weg für eine innovative Geschäftsidee geebnet werden, und wenn man in den divergenten Denkmodus wechselt, können konkrete Produktideen geschaffen werden – die man wiederum konvergent beurteilt.

    Das Gute dabei: "Gerade diese Flexibilität kann man trainieren", ist Zagorac-Uremovic überzeugt, die als Coach Businesspläne beurteilt. Denn auch jene, die eher "einseitig" begabt seien, so zeigte ihre Studie, hätten Aussicht auf Erfolg. "Erfolgreiche Gründer können einen dominanten Denkstil pflegen, sei er nun konvergent oder divergent. Man muss aber reflektiert genug sein, um daraus entsprechende Strategien abzuleiten, um seine Mängel auszugleichen." Und was man nicht allein schaffe, könne man auch mit einem Team umsetzen.

    Wer so viel über das Erkennen innovativer Geschäftsgelegenheiten weiß, will der nicht selbst gründen? "Gut möglich", meint Zagorac-Uremovic. "Aber derzeit hab ich noch Lust aufs Forschen." (Norbert Regitnig-Tillian, 9.4.2017)

    • Wie ticken Gründer? Diese Frage hat Zorica Zagorac-Uremovic in ihrer Dissertation untersucht.
      foto: foto hebenstreit / emma pilz

      Wie ticken Gründer? Diese Frage hat Zorica Zagorac-Uremovic in ihrer Dissertation untersucht.

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