Per Saharastaub angereiste Mikroben könnten zum Risiko werden

5. April 2017, 09:00
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Mikrobengemeinschaften aus fernen Ländern können heimische Arten verdrängen und der Gesundheit schaden

Innsbruck – Bisweilen transportieren Winde bedeutende Mengen von Sand aus der Sahara über das Mittelmeer und lagern ihn im Alpenraum ab. Wie sich nun zeigte, kann der rötliche Staub ganzen Gemeinschaften von Mikroorganismen als Vehikel dienen. Die Mikroben vom anderen Kontinent erwiesen sich in der Analyse durch ein internationales Forscherteam als besonders resistent gegenüber schwierigen Umweltbedingungen. Dadurch können sie heimische Arten verdrängen und sogar zu einem Gesundheitsrisiko werden.

Die Wissenschafter des Nationalen Forschungsrat Italiens (CNR), der Universität Innsbruck, Florenz und Venedig untersuchten nun in einer Studie in den Dolomiten diese biologische Fracht der Sandwolken. Im Winter werden die Mikroben demnach im Schnee und Eis des Hochgebirges eingeschlossen. Dort würden sie auch bleiben, die Temperaturerhöhung bedingt durch den Klimawandel kann die eingewanderten Organismen zu neuem Leben erwecken, wie die Forscher im Fachmagazin "Microbiome" schreiben.

Kritische Masse

Durch die fortschreitende Eis- und Schneeschmelze können diese Gemeinschaften laut den Forschern eine kritische Masse erreichen und dann sogar heimische Arten verdrängen. Dabei könnten sich auch Krankheitserreger etablieren, was wiederum zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko für Mensch, Tier und Umwelt führen könne.

Die Autoren der Studie regten deshalb schnelle und effiziente Methoden zum Monitoring der Risiken an, die von den in Schnee und Eis abgelagerten mikrobiellen Gemeinschaften aus weit entfernten Regionen ausgehen. (APA, red, 5.4.2017)

  • Die Wissenschafter entdeckten in den Dolomiten im roten Saharastaub ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen.
    foto: fondazione edmund mach

    Die Wissenschafter entdeckten in den Dolomiten im roten Saharastaub ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen.

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