ABB übernimmt Automatisierer B&R mit 3.000 Mitarbeitern

4. April 2017, 16:49
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Eggelsberg wird für ABB zum globalen Zentrum für Maschinen- und Fabrikautomation. Das B&R-Managment und sämtliche Standorte bleiben erhalten

Zürich/Linz/Wien – Österreich hat einen "hidden champion" weniger: Der schweizerische Elektrotechnikkonzern ABB übernimmt den in Eggelsberg in Oberösterreich (Bezirk Braunau) domizilierten Spezialisten für Maschinen- und Fabrikautomation Bernecker+Rainer Industrie-Elektronik GmbH (B&R). Das gaben beide Unternehmen am Dienstag bekannt.

ABB schließe mit dem Hersteller von Industrierechnern eine historische Lücke in seinem Portfolio, sagte ABB-Chef Ulrich Spiesshofer in einer Telefonkonferenz. Den Kaufpreis wollte er unter Verweis auf die B&R-Gründer, Erwin Bernecker und Josef Rainer, nicht nennen. In der Branche wird B&R auf 1,6 bis zwei Milliarden Euro taxiert. Die Transaktion folge einer "branchenüblichen Bewertung", versicherte Spiesshofer und verwies auf den US-Konkurrenten von B&R, Rockwell Automation.

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B&R beschäftigt weltweit rund 3.000 Mitarbeiter, davon zwei Drittel in Österreich, und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015/16 mehr als 600 Millionen Dollar (561 Mio. Euro) Umsatz. Der operative Gewinn (Ebit) wird mit 75 Mio. Dollar angegeben, die Ebit-Marge mit zwölf Prozent.

Zum Vergleich: Vontobel schätzt die Ebit-Marge der ABB-Division Robotics & Motion auf 12,6 Prozent. B&R werde die Differenz rasch wettmachen. Die 500 neuen Entwickler und Softwareingenieure würden ABB guttun, schreibt Vontobel in seiner "Morning Note" über den Deal.

Komplettanbieter

Mit der Übernahme von B&R werde ABB zum Komplettanbieter von Industrieautomation, Mess- und Steuerungssystemen, Robotik, Digitalisierung und Elektrifizierung. "Diese Transaktion ist ein wahrer Meilenstein für ABB, da B&R die historische Lücke in unserem Automationsangebot schließt", sagte Spiesshofer in einer Telefonkonferenz. "B&R ist eine Perle in der Welt der Maschinen- und Industrieautomation. Strategisch gesehen ist das der wichtigste Deal, den ABB je gemacht hat."

Die an der Züricher Börse notierte ABB will die Übernahme mit Barmitteln finanzieren. Der Deal soll sich bereits im ersten Jahr positiv auf den operativen Gewinn je Aktie auswirken. Das Closing wird im Sommer erwartet, man rechne nicht mit Einwänden seitens der Wettbewerbsbehörden, sagte Spiesshofer, der Siemens noch besser Paroli bieten will.

Jobabbau kein Thema

Der ABB-Chef suchte auch Ängste vor Abwanderung zu zerstreuen: Jobabbau sei kein Thema. Das B&R-Management soll im Sold des Schweizer Konzerns bleiben, auch die Gründer Bernecker und Rainer (beide 65 Jahre alt) blieben an Bord. Der Hauptsitz von B&R in Eggelsberg werde sogar globales Zentrum für Maschinen- und Fabrikautomation des ABB-Konzerns. In spätestens fünf Jahren soll B&R mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz machen.

"B&R ist die Microsoft-Geschichte im Bereich der Industrieautomation", betonte Spiesshofer am Nachmittag in einer Pressekonferenz in Hörsching. Derzeit betreibt ABB in Österreich eine Vertriebsgesellschaft mit 400 Angestellten. Bei Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (ÖVP) ist die Botschaft angekommen, er sieht "eine gewaltige Aufwertung für den Industriestandort Oberösterreich".

"Wir werden eher Arbeitsplätze aufbauen und von Oberösterreich aus die Welt bedienen – in China, in Indien. Eine fantastische Chance", pries der ABB-Chef den Deal. Maschinen- und Fabriksautomation habe weltweit ein Marktvolumen von 20 Milliarden Dollar, wachse um vier bis fünf Prozent pro Jahr. B&R sei "eine Perle" mit durchschnittlich elf Prozent Wachstum pro Jahr (CAGR) seit 1995. (ung, mro, APA, Reuters)

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