Serbien: Proteste gegen Vučić in mehreren Städten

4. April 2017, 06:00
32 Postings

Vor allem studentische Unzufriedene riefen Parolen wie "Vučić Dieb!" und "Du bist nicht mein Präsident"

Belgrad – Nach dem deutlichen Sieg von Serbiens Regierungschef Aleksandar Vučić bei der Präsidentenwahl haben am Montagabend hunderte Menschen gegen ihn demonstriert. Bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Belgrad riefen die Teilnehmer, zumeist Studenten: "Vučić Dieb!" und "Du bist nicht mein Präsident".

Ähnliche Proteste fanden im nordserbischen Novi Sad und in Niš im Süden des Landes statt. Für Dienstagabend kündigten die Gegner des Regierungschefs weitere Proteste an.

Laut Auszählung der Stimmen in mehr als 90 Prozent der Wahllokale wurde Vučić bereits in der ersten Wahlrunde mit rund 55 Prozent der Stimmen zum neuen Staatschef gewählt. Der zweitplatzierte Kandidat, der von der Demokratischen Partei unterstützte Unabhängige Saša Janković, errang demnach gerade einmal 16 Prozent.

"Weg der Reformen fortsetzen"

In seiner Siegesrede in Belgrad bedankte sich Vučić am Montag für das "überwältigende Vertrauen" der Wähler. Die "große Mehrheit der Bürger Serbiens" wolle "den Weg der Reformen fortsetzen", sagte der 47-Jährige.

Vučić gehört der konservativ-wirtschaftsliberalen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) an und führt die Regierung seit 2014. Er will Serbien in die EU führen und zugleich gute Beziehungen zu Russland unterhalten. Zu seinem Wahlsieg gratulierten sowohl EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn als auch Russlands Staatschef Wladimir Putin, der in seiner Erklärung Vučićs "konstruktive, ausgewogene Außenpolitik" lobte.

Beobachter gehen davon aus, dass Vučić die Rolle des Präsidenten stärken und einen treuen Gefolgsmann als Regierungschef einsetzen wird. "Ich erwarte, dass Vučić das letzte Wort bei allen Entscheidungen haben wird", sagte der Experte Boban Stojanović. (APA, 4.4.2017)

  • Hunderte Serben zogen nach dem Wahlsieg des Premiers auf die Straßen.
    foto: afp photo / dusan milenkovic

    Hunderte Serben zogen nach dem Wahlsieg des Premiers auf die Straßen.

Share if you care.