Schilddrüsenunterfunktion: Gängiges Medikament hat kaum Nutzen

    3. April 2017, 15:59
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    Eine häufig bei älteren Menschen angewendete Therapie zur Behandlung einer Unterfunktion der Schilddrüse bringt keine Symptomlinderung, so eine Studie

    Im Alter entwickelt rund jeder Zehnte eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse. Die gängige Behandlung mit Tabletten hilft jedoch nicht, damit einhergehende Symptome wie Müdigkeit oder Muskelschwäche zu lindern, wie ein nun ein Forscherteam berichtet.

    Rund 90 Prozent der älteren Patienten mit einer leichten Schilddrüsenunterfunktion erhalten nach aktuellen Richtlinien Tabletten, meistens das Medikament Levothyroxin. Forschende des Inselspitals Bern und des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) haben mit europäischen Kollegen den Nutzen dieser Therapie geprüft. Das Ergebnis: Gegen viele der Symptome helfen die Tabletten nicht.

    Das Forschungskonsortium unter Leitung der University of Glasgow begleitete 737 ältere Personen mit leichter Unterfunktion der Schilddrüse, wie CHUV und Inselspital in einer gemeinsamen Mitteilung schrieben. Die Hälfte bekam während zwei Jahren ein Scheinmedikament (Placebo), die andere Levothyroxin.

    Funktion normalisiert

    Zwar normalisierte der Wirkstoff die Schilddrüsenfunktion, wie die Wissenschafter im Fachblatt "New England Journal of Medicine" berichten. Die Symptome, die der Unterfunktion ursächlich zugeschrieben werden, verbesserten sich hingegen nicht: Weder linderten die Tabletten Müdigkeit oder Muskelschwäche, noch stellten die Wissenschafter einen positiven Effekt auf das Denkvermögen, Bluthochdruck oder Übergewicht fest.

    "In unserer Studie, welche fünfmal so groß ist wie vorherige Studien zu diesem Thema, konnten wir zeigen, dass die Therapie keinen offensichtlichen Nutzen für diese ältere Personen bringt und daher nicht mehr verschrieben werden sollte", fasste Nicolas Rodondi vom Inselspital die Ergebnisse laut der Mitteilung zusammen. (APA, 3.4.2017)

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