Wie Nordkoreas Regime Handynutzer total überwacht

3. April 2017, 12:21
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Neuer Bericht einer NGO rekonstruiert nach Gesprächen mit Flüchtlingen den nordkoreanischen Überwachungsapparat

Rund drei Millionen Nordkoreaner sollen mittlerweile über Mobilfunkgeräte verfügen. Teilweise handelt es sich dabei auch um Smartphones. Sie kommunizieren im nordkoreanischen Koryolink-Netzwerk, das von einem staatlichen Mobilfunker betrieben wird – private Anbieter gibt es nicht. Die NGO InterMedia, die von der US-Regierung unterstützt wird, hat nun anhand von Interviews mit 34 Flüchtlingen rekonstruiert, wie Handynutzer in Nordkorea ausgespäht werden.

Spionageprogramme

So soll auf jedem Smartphone ein Spionageprogramm installiert sein, das automatisch Screenshots anfertigt und diese auf einer nicht-entfernbaren Speicherkarte aufbewahrt. Behörden können so jederzeit nachsehen, welche Inhalte aufgerufen worden sind. Außerdem soll das Gefühl, beobachtet zu werden, verstärkt werden. Außerdem überwacht der staatliche Geheimdienst die Kommunikationsnetzwerke direkt, hört also etwa Anrufe ab.

Damit Nutzer den Überwachungsmaßnahmen nicht durch einen Wechsel in chinesische Netzwerke entgehen, werden an der Grenze Geräte zum Blockieren von Funksignalen eingesetzt. Darunter leidet übrigens auch die chinesische Bevölkerung.

"Unliebsame Phrasen" werden gelöscht

Wie Axios berichtet, sucht das nordkoreanische Betriebssystem "Red Star OS" selbstständig nach "unliebsamen Phrasen" und löscht diese in Dokumenten. Versuche, die Spyware zu deinstallieren oder Schutzmaßnahmen gegen Überwachung hinzuzufügen, resultieren in einem Neustart der Geräte. Immer mehr Nordkoreaner setzen deshalb auf leicht versteckbare Speichermedien wie USB-Sticks, um illegale Inhalte zu konsumieren. (red, 3.4.2017)

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Axios

  • Nordkorea verfolgt Handynutzer massiv
    foto: apa/afp/jones

    Nordkorea verfolgt Handynutzer massiv

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