Deutschland erhält von Türkei konsularischen Zugang zu Deniz Yücel

    3. April 2017, 11:49
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    Der deutsch-türkische "Welt"-Journalist ist seit Mitte Februar in der Türkei in Haft

    Berlin – Nach wochenlanger Haft in der Türkei soll Deutschland ab Dienstag konsularischen Zugang zu dem deutsch-türkischen "Welt"-Journalisten Deniz Yücel erhalten. Das habe die türkische Regierung am Montag mitgeteilt, sagte der deutsche Außenministeriumssprecher Sebastian Fischer. Damit werde es möglich, "uns nach schweren Tagen der Haft von seinem Wohlbefinden zu überzeugen".

    Dem Sprecher zufolge hatte Außenminister Sigmar Gabriel seinen türkischen Kollegen Mevlüt Çavuşoğlu am Freitag nochmals gebeten, Zugang zu Yücel zu gewähren. Er habe dabei auf Einhaltung eines Versprechens gedrängt, das der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım der deutschen Kanzlerin Angela Merkel Anfang März gegeben habe.

    Auf die Frage, ob es bei einem einmaligen Besuch bei Yücel bleiben werde, sagte Fischer: "Das wird sich finden." Deutschland bleibe am Ball und versuche Yücel durch den Generalkonsul zu unterstützen, so gut es gehe. Der versprochene Zugang sei auf jeden Fall eine positive Nachricht und "ein Schritt nach vorne".

    Vorwurf der Terrorunterstützung

    Yücel wird seit Mitte Februar in der Türkei festgehalten, offiziell wird ihm Terrorismusunterstützung vorgeworfen. Er hatte sich am 14. Februar in Istanbul der Polizei zur Befragung gestellt und war daraufhin in Gewahrsam genommen worden. Zwei Wochen später ordnete ein Haftrichter an, ihn wegen "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" in U-Haft zu nehmen. Gemäß geltendem Recht kann diese bis zu fünf Jahre dauern.

    Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Yücel in einer Rede Spionage vor und bezeichnete ihn als Agenten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Kritiker verweisen darauf, dass Yücel ausschließlich wegen seiner journalistischen Arbeit inhaftiert worden sei.

    Deutschland hatte die Vermutung geäußert, dass Erdoğan durch sein hartes Vorgehen Sympathien bei türkischen Nationalisten für seine geplante Verfassungsreform sammeln will. Die neue Verfassung, über die am 16. April in einem Referendum abgestimmt wird, soll seine Machtbefugnisse erheblich erweitern. (Reuters, 3.4.2017)

    • In Deutschland demonstrierten Menschen mehrfach für die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel.
      foto: reuters/bimmer

      In Deutschland demonstrierten Menschen mehrfach für die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel.

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