Pop-Art-Pionier James Rosenquist gestorben

    2. April 2017, 09:36
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    Der US-Künstler, der mit seinen riesigen Bildern berühmt wurde, wurde 83 Jahre alt

    Wien/New York – Zusammen mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Jasper Johns war James Rosenquist einer der Pioniere der Pop Art. Am Freitag ist er nach langer Krankheit 83-jährig gestorben.

    Geboren 1933 als Spross einer schwedisch-norwegischen Familie in North Dakota, tauchte Rosenquist schnell in die Kunst ein. Als 19-Jähriger studierter er Malerei zunächst in Minnesota und ab 1955 in New York, wo er auf Kollegen wie Johns, Robert Indiana, Ellsworth Kelly, Agnes Martin und Robert Rauschenberg traf und wo er bis zu seinem Tod leben sollte. Doch auf den vielleicht wichtigsten Einfluss für seine Kunst stieß er nicht in der Art Students League, sondern beim Broterwerb als Maler von Werbeplakaten.

    Malerei im ganz großen Stil

    Die hierfür nötige Technik der Malerei im ganz großen Stil übertrug er bald auf seine oft riesigen Kunstwerke. Und groß war auch die Aufmerksamkeit, die er damals gleich für seine erste Einzelausstellung erhielt.

    Mitunter werden Rosenquists Arbeiten um die Ecke gehängt wie im MoMA, wo sein vielleicht berühmtestes Gemälde F-111 einen eigenen Raum beansprucht. Drei Meter in der Höhe und 26 Meter in der Breite misst das Bild aus dem Jahr 1965 von einem Kampfflugzeug. Auf 23 Aluminiumplatten finden sich neben dem Bomber u. a. ein Berg Spaghetti, ein Haartrockner. ein Sonnenschirm und ein Atompilz wieder.

    Durchgängig, aber aufgrund seiner schieren Ausmaße auf mehrere nebeneinander gehängte Bildträger gemalt, springt die Farbigkeit mit dem Aufeinanderstoßen zweier Platten hier wie in anderen Arbeiten oft um. Auch Proportionen, die bei solchen Gelegenheiten wechseln, und Anschlussfehler durch Überlappungen fordern zum genaueren Hinschauen auf.

    Pop und Kritik daran

    Lippenstifte, Einkaufstüten, Sonnenbrillen, chromglänzende Autogrills: Realistisch, aber stilistisch an Comics angelehnt, kombinierte Rosenquist in schreiender Buntheit Motive der Populär- und Massenkultur sowie Alltagsgegenstände und Wohlstandssymbole mit schon auf den ersten Blick kritischeren Sujets zu etwas, das als Nivellierung erscheinen konnte. Dieses Nebeneinander sah er als "Grundlage unserer kommerziellen Gesellschaft". Er wollte zum Nachdenken anregen.

    In den 1980ern fanden auch florale Motive Eingang in seine Bildwelten, ebenso zwischen Weltraum und dem Blick in ein Kaleidoskop changierende Farbräusche. Gleichzeitig wurden die Arbeiten weniger fragmentiert, einheitlicher und so auch ruhiger.

    Auch bei Drucken, Zeichnungen und Collagen liebte er es gigantomanisch. Bloß bei den Preisen konnte es Rosenquist – vielleicht deswegen? – bis dato nicht mit seinen teuren Kollegen aufnehmen. 3,3 Millionen Dollar waren 2014 Rekord. Die letzte Schau zu Lebzeiten richtete ihm im vergangenen Herbst Thaddaeus Ropac in Paris aus. (Michael Wurmitzer, 2.4.2017)

    • "Bing, Bang, Boom – genau das ist es, was das moderne Leben ausmacht", kommentierte James Rosenquist, hier in einer Aufnahme von 2004, kritisch.
      foto: apa/epa/alfredo aldai

      "Bing, Bang, Boom – genau das ist es, was das moderne Leben ausmacht", kommentierte James Rosenquist, hier in einer Aufnahme von 2004, kritisch.

    • "Star Thief" heißt diese gigantische Arbeit James Rosenquists aus dem Jahr 1980, Platz fand sie 2004 im Guggenheim Museum Bilbao.
      foto: apa/afp/rafa rivas

      "Star Thief" heißt diese gigantische Arbeit James Rosenquists aus dem Jahr 1980, Platz fand sie 2004 im Guggenheim Museum Bilbao.

    • "F-111" von 1965 ist 26 Meter lang und drei Meter hoch. Es hängt im New Yorker MoMA.
      foto: museum of modern art

      "F-111" von 1965 ist 26 Meter lang und drei Meter hoch. Es hängt im New Yorker MoMA.

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