Stelzer mit 99,9 Prozent zum neuen Chef der ÖVP Oberösterreich gewählt

1. April 2017, 13:21
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Pühringers Abgang: Der scheidende Landeshauptmann kündigte an seinem letzten Landesparteitag an, nicht Teil einer "Muppet-Show" werden zu wollen

Linz – Thomas Stelzer wurde mit 99,9 Prozent zum neuen Landesparteiobmann der ÖVP Oberösterreich gewählt. Rund 2.000 Delegierte versammelten sich beim Landesparteitag am Samstag im Linzer Designcenter, um die offizielle Staffelübergabe von Josef Pühringer zum neuen ÖVP-Landeschef zu bezeugen. Stelzer wird Pühringer auch als Landeshauptmann beerben.

Unter den Gästen des Parteitags mit dem Motto "Bereit für die neue Zeit" war auch ein Großteil der ÖVP-Bundesmannschaft zu finden: unter anderem Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Außenminister Sebastian Kurz, Innenminister Wolfgang Sobotka und Finanzminister Hans Jörg Schelling.

Bereits Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer machte zum Auftakt unmissverständlich klar, was den 40. Landesparteitag von vergangenen ÖVP-Arbeitstreffen klar unterscheidet: "Es ist ein historischer Tag. Danke, dass wir heute gemeinsam Geschichte schreiben." Begleitet von Standing Ovations betrat dann "jener Mann, der unser Bundesland wie keiner anderer geprägt hat" zum letzten Mal als Landesparteiobmann die Bühne.

Dankbar für das Vertrauen

Wäre er seinem eigentlichen Berufswunsch treu geblieben, wäre wohl auch die Feier zum Pensionsantritt deutlich intimer ausgefallen. Maurer oder Pfarrer wollte Josef Pühringer eigentlich werden – tatsächlich geworden sind es rund 50 Jahre in der Politik und davon 22 Jahre als Landeshauptmann von Oberösterreich.

Sichtlich bewegt bedankte sich dann also Pühringer für den jahrelangen Rückhalt in der Partei: "Bei allen Landesparteitagen seit dem Jahr 1965 bin ich vor euch gestanden und habe euch um euer Vertrauen gebeten, und ihr habt mich mit großem Vertrauen ausgestattet. Heute stehe ich vor euch, um für das Vertrauen zu danken, von dem ich 22 Jahre als Landesparteiobmann getragen war."

foto: apa/fotokerschi.at/werner kerschbaummayr
Pühringer geht.

Dann setzte der scheidende Langzeit-Landeschef zu einer persönlichen Leistungsschau an. Oberösterreich sei heute ein "Land der Arbeit, ein Land der sozialen Gerechtigkeit und ein Land der geistigen Weite". Persönliche Meilensteine galt es an einem Tag wie diesen nicht auszusparen: Etwa den Bau des Linzer Musiktheaters oder die Schaffung der Medizin-Uni. Aber: "Oberösterreich ist keine Insel der Seligen. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber Oberösterreich ist ein immer selbstbewussteres Land geworden."

Neben einer entsprechend langen Liste an Danksagungen fand sich auch noch ein Moment für eine Entschuldigung unter Tränen: "Wenn ich in all den Jahren jemanden enttäuscht, verletzt oder gekränkt habe, tut es mir leid. Es war nicht meine Absicht. Ich entschuldige mich dafür."

Pühringer: "Ich gehe heute, das werden mir wenige glauben, mit einer gewissen Leichtigkeit, weil ich überzeugt bin, dass Oberösterreich bei Thomas Stelzer in besten Händen ist." Und am Schluss seiner Rede dann noch ein Versprechen an politische Nachfolgegenerationen: "Ich verspreche euch: Ich trete in keine Muppet-Show ein – ich konnte drei Jahrzehnte gestalten, ich gehe jetzt nicht zu den Besserwissern und Dreinredern. Ihr könnt mit meiner Unterstützung rechnen, vor allem mit meiner hundertprozentigen Loyalität."

Latte hoch gelegt

Stelzer legte sich in seiner Rede die Latte hoch: "Oberösterreich als Land der Mitte muss an die Spitze von Österreich und Teil der europäischen Spitzenregionen werden. Das ist mein Ziel. Ich möchte unser Oberösterreich zum Land der Möglichkeiten machen." Nachsatz: "Willst du weiterkommen, musst du nach Oberösterreich kommen.‘". Wien bleibe die Bundeshauptstadt, aber Oberösterreich müsse der "Place to be" werden.

foto: markus rohrhofer
Stelzer kommt.

Und er stehe für eine Politik, "die den Leuten den Rücken stärkt und nicht für eine Politik am Rücken der Leute". Stelzer: "Wenn jemand am Boden liegt, dann helfen wir ihm wieder auf die Beine. Aber wenn jemand laufen kann und will, dann zwingen wir ihn nicht zum Gehen."

Deutlich wurde auch, dass Stelzer – der sich betont volksnah präsentierte – den blauen Atem bereits im Nacken spürt: "Die politische Landschaft hat sich geändert, auch bei uns. Die Größenordnungen haben sich verschoben. Hinter uns sind die Plätze getauscht worden. Es gibt eine zweite größere Partei. Wir sind näher aneinandergerückt, zu nahe für meinen Geschmack." Man wolle daher "deutlicher und mit klarem Abstand vorangehen" und auch "im Zuspruch unserer Landsleute wieder weiter vorne liegen."

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ÖVP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Mitterlehner.

Auch VP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner streute dem scheidenden Landeshauptmann dann noch Rosen: "Von einem Politiker erwartet man, dass er fleißig und kompetent ist – und es gibt keinen fleißigeren und kompetenteren als Josef Pühringer." Es zeichne eben einen guten Politiker aus, dass er "nicht das Populäre sondern das Richtige tut. Und Josef Pühringer hat das Richtige populär gemacht, sonst hätte er nicht vier Landtagswahlen gewonnen", ist der ÖVP-Bundesparteichef überzeugt. (Markus Rohrhofer, 1.4.2017)

  • Thomas Stelzer, Besitzer zweier Daumen.
    foto: apa/fotokerschi.at/werner kerschbaummayr

    Thomas Stelzer, Besitzer zweier Daumen.

  • Josef Pühringer bei seiner Abschiedsrede
    foto: apa/fotokerschi.at/werner kerschbaummayr

    Josef Pühringer bei seiner Abschiedsrede

  • "Danke Sepp"
    foto: markus rohrhofer

    "Danke Sepp"

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