ÖVP als Heim für verhaltensauffällige Politiker

Kolumne31. März 2017, 16:05
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Die Frage ist, was die ÖVP antreibt, sich als Sammelbecken für reaktionäre, antiliberale und obskurantistische Ideologen zu definieren

Die ÖVP ist eine zutiefst humanitäre Partei, denn sie hat ein Asylheim für verhaltensauffällige Politiker anderer Parteien eröffnet.

Da war zunächst Marcus "Pograpsch" Franz, der aber inzwischen wieder entsorgt werden musste und nun in der Ärztekammer für die FPÖ kandidiert. Das passt, denn Mediziner Franz trat kürzlich mit rassetheoretischen Erkenntnissen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervor: "Fremdes Genmaterial nach Europa zu bringen ist ein biotechnischer Akt mit negativen Langzeitfolgen für die Autochthonen." Schön ham S' des g'sagt, Herr Doktor. Da der moderne Europäer noch ein bis vier Prozent des genetischen Materials des Neandertalers in sich trägt, sollte sich Herr Primarius em. Dr. Marcus Franz einmal spaßeshalber sequenzieren lassen.

Franz hat seinerzeit auch die Homosexualität als volkstumsschädliche Gemeinheit bezeichnet, denn die können ja keine Kinder machen. Mit Franzens Abgang war die Planstelle für Homophobie im VP-Abgeordnetenklub aber wieder frei, und so hat der Klubobmann Reinhold Lopatka flugs den ehemaligen Neos-Abgeordneten Christoph Vavrik gekapert. Der ist auch gebildet und kann sich sogar mit lateinischen Zitaten über Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare aufregen: "O tempora, o mores! Künftige Zivilisationen werden auf solche gesellschaftliche Abartigkeiten mit demselben Unverständnis blicken wie wir heute auf die Sklaverei ..."

Si tacuisses, philosophus mansisses, möchte man dazu sagen; allerdings ist der Abgeordnete Vavrik, der nun in "meine politische Heimat ÖVP" zurückkehrt, nie als Philosoph aufgefallen.

Die eigentliche Frage ist ja, was die ÖVP antreibt, sich ausdrücklich als Sammelbecken für reaktionäre, antiliberale und obskurantistische Ideologen zu definieren. Natürlich gibt es da draußen immer noch eine ganze Reihe von schwerst konservativen Zeitgenossen, die auch Wähler sind. Aber mit solchen bewussten Signalen wird man die ÖVP kaum attraktiv machen für eine moderne, urbane Wählerschaft, die z. B. die Homosexualität längst als fixen Bestandteil des Menschseins akzeptiert.

Aber wenn sogar der vergleichsweise liberale Reinhold Mitterlehner einen Kotau vor dem ungarischen Quasidiktator Viktor Orbán macht, kann man sich ausmalen, wohin die Reise geht. Mitterlehner twitterte: "Gutes Treffen mit Victor Orban: Wollen beide illegale Migration nach Europa eindämmen und EU-Außengrenzen effektiv schützen."

Sehr schön, und hat Wissenschaftsminister Mitterlehner sicher zur Sprache gebracht, dass Orbán gerade die lästige Central European University schließen will, eine der letzten kritischen Instanzen in Orbánistan?

Die ÖVP hat bereits mit ihrem Versagen angesichts der unternehmerfeindlichen Bürokratie ihre mittelständische, gewerbetreibende Klientel schwer frustriert. Nun verjagt sie auch noch aufgeklärte Mitglieder der Bildungsschicht. Und wenn da die Neos und die Grünen (noch immer) nichts draus machen können, gehört ihnen die Lizenz zur Politik entzogen. (Hans Rauscher, 31.3.2017)

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